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Lucertola muraiola

 

Unter den einheimischen Vertretern der Echten Eidechsen (Lacertidae) nimmt die auf den ersten Blick unscheinbare Mauereidechse gleich in mehrerer Hinsicht eine besondere Stellung ein: Sie ist die einzige Art, deren Tiere bei gutem Wetter über das ganze Jahr hinweg aktiv sein können, sie besiedelt geeignete Habitate in einer Individuendichte, die sonst nur bei der Kroatischen Gebirgseidechse beobachtet wird und hat in Österreich stabile Populationen von zumindest drei Unterarten. Des Weiteren nutzt sie ihre natürlichen Habitate gleichermaßen wie anthropogen stark beeinflusste Lebensräume, sofern diese einem Mindestmaß an klimatischen und strukturellen Ansprüchen genügen. Passend zum deutschen Namen bzw. dem bevorzugten Lebensraum ist auch die Bedeutung des lateinischen Namens:  Podarcis leitet sich vom griechischen podarkés = „schnellfüßig“ ab und muralis bedeutet auf Latein „an der Mauer lebend“.
 

Mauereidechsen - Paar (Podarcis muralis muralis), rechts das Weibchen Foto: © herpetofauna.at

 Mauereidechse - Podarcis muralis muralis, rechts das Weibchen (Foto: © herpetofauna.at)
 

 

Innerhalb der Gattung Podarcis besitzt die Mauereidechse das größte Gesamtverbreitungsareal, Terra typica der Art ist Wien. In den Südniederlanden leben die nördlichsten und auf der Peloponnes die südlichsten Populationen. In Ost – West Richtung erstreckt sich das besiedelte Areal von der Türkei bis nach Nordspanien. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in Südeuropa.
 

Systematik

 

Klasse: Reptilia, Reptilien
Ordnung: Squamata, Schuppenkriechtiere
Unterordnung: Sauria, Echsen
Familie: Lacertidae, Echte Eidechsen
Gattung: Podarcis, Mauereidechsen
Art: Podarcis muralis, Mauereidechse

 

Aktuellen Untersuchungen zu Folge besteht die Art Podarcis muralis aus 4 phylogenetischen Hauptgruppen bzw. 6 potentiellen Unterarten. In Österreich autochthon sind die Nominatform Podarcis muralis muralis sowie die Unterart maculiventris, wobei sich das Vorkommen der letzteren auf das Inntal beschränkt. Die folgenden Angaben beziehen sich, sofern nicht extra erwähnt, auf die heimische Nominatform.
 

Beschreibung


Die Gesamtlänge beträgt maximal 22,5cm, zumeist allerdings unter 20cm, die KRL maximal 7,5cm. Der Habitus ist schlank, beim Sonnen wird der Körper stark abgeflacht. Von den anderen einheimischen Eidechsen unterscheidet sie sich neben Zeichnung und Habitus durch das glattrandige Halsband bzw. die gleichmäßig sich verjüngenden Schwanzwirteln (wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Kroatischen Gebirgseidechse). Generell haben Männchen einen im Vergleich zur KRL massiveren Kopf als die Weibchen, eine, besonders im Frühjahr, verdickte Schwanzwurzel sowie deutlich ausgeprägte Femoralporen.
 

Die Zeichnung und Färbung variiert zwischen den Unterarten stark:

 

Podarcis muralis muralis- heimisch

 

Die Grundfarbe besteht aus Braun- bis Grautönen, der oft kontrastarm gemusterte  Rücken ist heller als die Flanken, auf welchen sich jeweils ein breiter,  brauner bis dunkelbrauner und von den Augen bis zur Schwanzwurzel  reichender Streifen befindet. Dieser ist, speziell bei Männchen, oft mit hellen Flecken durchsetzt. Der Rücken und besonders die Flanken der Weibchen sind im Normalfall deutlich weniger gemustert bzw. können auch komplett zeichnungslos sein. Meist ist auch ein dunkler Vertebralstreifen vorhanden, der aber auch als Fleckenreihe aufgelöst sein kann. In der Paarungszeit ist die Kehle, oft auch der ganze Bauch der Männchen deutlich rot gefärbt. Die Unterseite der Männchen ist zumeist deutlich schwarz gefleckt, bei den Weibchen beschränkt sich diese Fleckung meistens auf die Kehle. Die Färbung der Nominatform ist ohne Grüntöne.
 

Männliche Mauereidechse in Paarungskleid
Männliche Mauereidechse in Paarungskleid

 

Podarcis muralis maculiventris – heimisch / eingeschleppt

 

Die Zeichnung variiert zwischen den Populationen stark, speziell die autochthonen Tiere im Inntal ähneln der Nominatform, sie haben jedoch wie jene in Linz (eingeschleppt) meist gelbliche Unterseiten. Tiere anderer Populationen wirken oft massiver als die der heimischen Unterarten, weiteres ist die Zeichnung gröber, kontrastreicher und besitzt einen größeren Schwarzanteil. Auch Grüntöne kommen vor.

 

P. m. maculiventris Paar bei Wien P. m.maculiventris bei Linz, gelbe Unterseite
P. m. maculiventris Paar bei Wien P. m.maculiventris bei Linz, gelbe Unterseite

 

Podarcis muralis nigriventris – eingeschleppt

 

Die meisten Tiere haben deutlich grüne Zeichnungselemente.

 

Podarcis muralis nigriventris

Podarcis muralis nigriventris

 

Verbreitung


Der nördlichste Fundpunkt der heimischen Nominatform P. muralis muralis liegt in Wien, Verbreitungsschwerpunkte gibt es an der Übergangszone zwischen niederösterreichischem Alpenvorland und dem Wiener Becken, am Grazer Becken sowie im Drautal. Das Inntal wurde von P. m. maculiventris nach der letzten Eiszeit vermutlich von Italien aus über den Brenner und/oder den Reschenpass besiedelt.

 

Verbreitungskarte: Mauereidechse -Podarcis muralis (Datenstand 1996)  © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich

 
Die Vertikalverbreitung erstreckt sich von 170 bis 1700 m Seehöhe, wobei  sich die Fundmeldungen zwischen 300 und 700 m deutlich häufen. Die Fundpunkte liegen mehrheitlich innerhalb des sommerwarmen / milden trocken-kontinentalen und des sommerheißen / submediterranen feucht-kontinentalen Klimabereichs sowie vorwiegend in Gebieten mit unter 1000 mm Jahresniederschlagsmenge.

Allochthone Populationen sind in und um Passau, in Schärding sowie an der oberösterreichischen Donau bei Schlögen (P. m. nigriventris) bei Linz und in Vorarlberg (P. m. maculiventris) sowie an der Grenze zu Wien (P. m. maculiventris) angesiedelt.  Ausbreitungstendenzen gibt es speziell bei den Passauer Tieren, die Population bei Wien bzw. deren Lebensraum wurde vor kurzem durch Bauarbeiten massiv verkleinert.

 

Lebensräume

 

Steinbrüche sind typische Habitate von Mauereidechsen
Steinbrüche sind typische Habitate
von Mauereidechsen

Da Österreich im nördlichen Teil des Verbreitungsgebietes liegt, bevorzugt die Mauereidechse klimatisch begünstigte Habitate wie trocken-warme, sonnige bzw. steinige und felsige Hänge. Speziell das Vorhandensein (stark) geneigter bis vertikaler und spaltenreicher Strukturen, beispielsweise Felsen, Mauern, Geröllhalden oder Hangböschungen mit eher geringem Deckungsgrad, scheint ein wichtiges Kriterium eines geeigneten Habitats zu sein. Dementsprechend sind Steinbrüche, Ruinen, Bahndämme bzw. auch Bahnhöfe, Friedhöfe und Ähnliches „typische“ vom Menschen beeinflusste Lebensräume dieser Art.

Bevor anthropogene Aktivitäten derartige Habitate gestalteten, beschränkten sich die Vorkommen großteils auf besonnte Offenlandflächen, die sich entweder von Haus aus durch einen geringen Deckungsgrad und eine Vielzahl an steinigen geneigten Strukturen auszeichneten oder durch wiederkehrende erosive Ereignisse vor Sukzession geschützt waren. Neben dieser zumeist klimabedingten, aber auch durch Konkurrenzdruck hervorgerufenen Spezialisierung ist die Mauereidechse unter optimaleren (klimatischen) Gegebenheiten in ihrer Habitatwahl relativ anspruchslos, wie es beispielsweise in den lichten Föhrenwäldern des Kalkwienerwaldes zu sehen ist.

Die Reviergröße der einzelnen Tiere beträgt zwischen 10 und 52 m². Bei eingeschränktem räumlichen Angebot kommt es zu Revierüberlappungen. In Folge dessen kann die Individuendichte zwischen 3 und 37 m² pro Tier schwanken.
 

Weitere Habitattypen:

Felsige Straßenböschungen Wegböschungen
Felsige Straßenböschungen Wegböschungen
Mauern mit Fugen und Löchern Natürliches Habitat Felssturzflächen
Mauern mit ausreichendem Angebot an
Fugen und Löchern
Natürliches Habitat Felssturzflächen

 

Lebensweise


Jahresaktivität

Unter den einheimischen Reptilien stellt die Mauereidechse eine Besonderheit dar. Zwar halten sie wie alle anderen Reptilien eine Winterruhe, allerdings können bei geeignetem Wetter und optimaler (Mikro-) Habitatexposition Tiere aller Altersklassen auch über die Wintermonate hinweg beobachtet werden. Hierbei ist die Oberflächentemperatur des Mikrohabitats von Bedeutung: bereits ab ca. 12 – 14°C sind einzelne Tiere aktiv, selbst wenn die Lufttemperatur im Schatten um den Gefrierpunkt liegt. Davon abgesehen beginnt die Hauptaktivitätszeit mit Ende Februar / Anfang März und dauert im Normalfall bis Ende Oktober. Die einzelnen Winterquartiere werden in der Regel von mehreren Tieren gleichzeitig genutzt. Zu Beginn und Ende der Aktivitätsperiode können so in unmittelbarer Umgebung der Winterquartiere mehrere Eidechsen auf engstem Raum, oft auch übereinander, beobachtet werden. Die Paarungsaktivitäten beginnen nach der ersten Frühjahrshäutung im März und können bis Juni andauern. Die Zeit der Eiablage erstreckt sich von Ende April bis Mitte August, wobei die Weibchen pro Jahr 2-3 Gelege absetzen können. Auf diese Fortpflanzungszeit folgt bis zum Ende der Aktivitätsperiode eine Jagd- und Nahrungsphase, in welcher die Energiereserven für die Winterruhe angelegt werden.

 

Tagesaktivität

 

Bis in den Frühsommer und im Herbst liegt das Aktivitätsmaximum in den Mittagsstunden, in den Monaten Juli bis August gibt es wegen der heißen Temperaturen einen Wechsel in das bimodale Aktivitätsschema mit zwei Maxima: einmal in den Vormittags- und dann erst wieder in den späten Nachmittagsstunden. Während der Mittagszeit ziehen sich die Tiere in kühlere Bereiche wie Felsspalten oder dichte Vegetation zurück.

 

Fortpflanzung


Mauereidechsen erreichen die Geschlechtsreife mit der zweiten Überwinterung. Etwa 30 Tage nach der Befruchtung im Frühjahr erfolgt die Eiablage. Ein Gelege umfasst 2-11 Eier und ist von der Größe des Weibchens abhängig. Die Eiablage findet zumeist in kleinen Höhlen am Ende selbst gegrabener Gänge statt, mitunter aber auch in Spalten von Mauerwerk oder unter Steinen. Die Inkubationsdauer im Freiland liegt zwischen 6-11 Wochen und ist stark temperaturabhängig. Daraus folgt ein erstmaliges Auftreten von Jungtieren im Zeitraum von Juli bis Anfang September, wobei der Schwerpunkt im Bereich zwischen Ende Juli bis Mitte August liegt. Die KRL der Schlüpflinge beträgt zwischen 19 und 27 mm, die Schwanzlänge 31-40 mm.

 

einjähriges Jungtier
einjähriges Jungtier

 

Nahrung


Mauereidechsen ernähren sich fast ausschließlich von Insekten und Spinnentieren sowie Asseln, es gibt allerdings auch vereinzelte Beobachtungen von Kannibalismus gegenüber Jungtieren sowie vom Verzehr pflanzlicher Nahrung wie beispielsweise herabgefallener Weintrauben. Die Nahrungszusammensetzung betreffend die tierische Nahrung variiert je nach Biotop und Jahreszeit, spezielle Präferenzen können nicht festgestellt werden.
Beispielsweise ergab eine Untersuchung zum Mageninhalt von Mauereidechsen folgende Zusammensetzung: Spinnen 33%, Asseln 21%, Tausendfüßler 10%, Käfer und Zweiflügler jeweils 6,5%, Regenwürmer, Ameisen, Hautflügler und Springschwänze jeweils 5% sowie Weberknechte 3,3%.
 

Allgemeines und Besonderheiten


In freier Natur beträgt die maximale Lebenserwartung ca. 10 Jahre, im Schnitt liegt sie um 4-6 Jahre.
Mauereidechsen überleben, wie andere heimische Eidechsen auch, das Absenken der Körpertemperatur unter 0°C über einen gewissen Zeitraum. Zum Beispiel wurde beschrieben dass ein Tier eine Abkühlung der Körpertemperatur auf -4,85°C über 26 Stunden ohne bleibende Schäden überstanden hat; sie tolerieren eine kurze bzw. teilweise Eisbildung der Zellflüssigkeit.
 

Gefährdung und Schutz

 

Komplett verputzte Mauern sind für Mauereidechsen nicht mehr nutzbar
Komplett verputzte Mauern sind
für Mauereidechsen nicht mehr nutzbar

 

Wie bei allen heimischen Reptilien ist in erster Linie die Strukturverarmung bzw. Zerstörung sowie Sukzession der Habitate die Hauptgefährdungsursache. Hierzu zählen, speziell beim Kulturfolger Mauereidechse, vor allem das Verfugen und Sanieren von Ruinen, Mauern (Stützmauern, Trockenmauern, ..), Stein- und Felsstrukturen aller Art bzw. das Zuwuchern derselben. Zusätzlich ist in siedlungsnahen Gebieten oft ein hoher Prädatorendruck durch Katzen gegeben. Des Weiteren kann sich die hohe Anpassungsfähigkeit allochthoner Unterarten negativ auf kleine heimische Populationen auswirken. Aktuell sind alle bekannten eingeschleppten Populationen außerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebietes der heimischen Unterarten, wodurch es bis Dato vermutlich zu keinem Kontakt gekommen ist. Allerdings lassen wiederholte Beobachtungen einzelner eingeschleppter Individuen darauf schließen, dass es immer wieder zu Aussetzungen, auch innerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes, kommt.

 

Literatur

 

  • SCHULTE, U. (2008): Die Mauereidechse. – Bielefeld (Laurenti Verlag). ISBN 978-3-933066-36-7
  • CABELA, A.; GRILLITSCH, H.; TIEDEMANN, F. (2001): Atlas zur Verbreitung und Ökologie der Amphibien und Reptilien in Österreich. - Wien (Umweltbundesamt). ISBN 3-85457-586-6
  • BÖHME, W. (Hrsg.) (1986): Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas, Band 2/II, Echsen III (Podarcis). – Wiesbaden (AULA – Verlag). ISBN 3-89104-000-8
  • TIEDEMANN, F. (Hrsg.) (1990): Lurche und Kriechtiere Wiens. - Wien (J&V EDITION WIEN). ISBN 3-85058-043-1
  • CLAUSSEN, D. L.  et al. (1990): Supercooling and freeze-tolerance in the European wall lizard (Podarcis muralis) (…). – Journal of Comparative Physiology B 160: 137 - 143

 

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