Wer ist Online?

Aktuell sind 61 Gäste und keine Mitglieder online

Heute386
Gestern567
Woche386
Monat13966
Insgesamt912708

Teilnehmer: Mario Schweiger, Werner Mayer, Richard Gemel, Thomas Bader, Richard Kopeczky, Johannes Hill, Christoph Riegler

 

 

Die Anreise

 

Mario Schweiger und Werner Mayer starteten Mitte April ihre Reise mit dem PKW von Österreich in Richtung Marokko und überquerten am 19.4. die Meerenge von Gibraltar. Die Reiseroute der beiden bis zum Treffpunkt mit dem Rest der Gruppe verlief durch folgende Städte: Ceuta - Tetouan - Chefchauen - Ouazzane - Volubilis - Meknes - Azrou - Khenifra - Beni Mellal – Marrakesch.


Die restlichen Reiseteilnehmer, bestehend aus Richard Gemel, Richard Kopeczky, Franz Rathbauer, Christoph Riegler, Thomas Bader und Johannes Hill flogen am 23.4. von Wien über Paris nach Casablanca, mieteten dort zwei Autos und fuhren direkt nach Marrakesch, um dort mit den beiden Kollegen gemeinsam die Reise fortzusetzen.

Die Stadt Marrakesch ist alleine wegen ihres orientalischen Charmes und ihres riesigen Souks (Marktes), der so groß wie die Wiener Innenstadt sein soll, eine Reise wert. Auf dem „Platz der Geköpften" (Dscheema El Fna) trudeln vom späteren Nachmittag bis zum Abend immer mehr Leute ein, um die Schausteller zu bewundern, daher auch der zweite Name: „Platz der Gaukler". Unser erstes Ziel waren natürlich die berühmten Schlangenbeschwörer aus dem Volk der Aïssawa. Auch wenn uns als Herpetologen dieses zur Schau stellen von Schlangen als fragwürdig erscheint, so flößt uns der Umgang der Schlangenbeschwörer mit Kobras und Puffottern außerordentlichen Respekt ein. Da wir davon ausgehen, dass die Schlangen nicht sehr lange in der Obhut der Menschen überleben, unterstützen wir die aktuellen Forderungen, dass die Aïssawa in den örtlichen Nationalparks zu Naturführern ausgebildet werden und dann geführte Touren anbieten sollten. Neben den in Marokko immer seltener werdenden Puffottern und Kobras waren noch große Eidechsennattern zur Schau gestellt.


Treiben am Platz der Geköpften

Wenn man den Souk erkundet, verliert man automatisch nach kurzer Zeit die Orientierung. Immer mehr Menschen drängen sich auf den engen Gassen und irgendwann kennt man sich überhaupt nicht mehr aus. Der Souk selbst ist fantastisch, vor allem der Bereich der Handwerker ist legendär. Echte Handarbeit ist garantiert und man kann den Künstlern beim Erstellen der Waren zuschauen. Schmuck, Teppiche, Schuhe, Leder, Holzwerkzeuge wie Schnitzelklopfer, Klobesen oder Blasebalge und unzählige andere Dinge machen einen Rundgang durch den Souk zu einem Muss. Ein weiteres Highlight ist der Gewürzbazar, der mit unendlich vielen undefinierbaren feinen Gewürzen aufwartet. Gegen ein wenig Bakschisch wird man dann auch wieder sicher zum nächsten Ausgang geleitet. Ebensolches Trinkgeld ist auch für die Zuteilung und Obhut des Autos in der Nähe des Marktes erforderlich.

Das Abendessen wurde uns auf dem Platz der Geköpften in einer unglaublichen Kulisse serviert. Das hervorragende Essen mit Spießen, Hendl, Gemüse, Eintopf usw. ist zudem relativ günstig und obendrein kann man so viel essen, wie man will/kann. Obst und Gemüse werden hier überall in hervorragender Qualität angeboten, besonders häufig sind auch Nüsse, Mandeln und getrocknete Früchte wie z.B. Datteln.


Platz der GeköpftenAbends verwandelt sich der Platz in eine riesige Open Air Küche

Casablanca hatte im Gegensatz zu Marrakesch nicht viel zu bieten. Direkt am Meer befindet sich die Moschee Hassan II. Mit 210 m Minaretthöhe gilt sie als höchstes religiöses Bauwerk der Erde. Der Markt in Casablanca ist unspektakulär und auch sonst zog uns die Stadt nicht unbedingt in ihren Bann.

Weitere Bilder zu diesem Abschnitt



 



 

Die Marokkanische Meseta

 

Die Küstenebene nordwestlich der Atlasgebirgskette wird intensiv landwirtschaftlich genutzt und stellt auch aufgrund der ausreichend durch den Atlantik verursachten Niederschläge die Kornkammer Marokkos dar. Schon während der Fahrt von Casablanca nach Marrakesch war kaum ein naturbelassenes Fleckchen zu finden. Vom Flugzeug aus sahen wir, dass es in der Gegend um Casablanca heftig geregnet hatte, da einige Flächen unter Wasser standen. Je weiter wir in Richtung Marrakesch fuhren, umso trockener wurde es. 

 
In einem trockenen Tal vor Marrakesch, das bereits von Mario und Werner erkundet wurde, fanden wir folgende für die Meseta charakteristische Arten: Saurodactylus brosseti, Acanthodactylus erythrurus atlanticus, Chalcides polylepis, Chalcides mionecton und Testudo graeca. Aus einem Mausloch zogen wir eine 1,5 m lange Exhuvie von Hemorhois hippocrepis heraus und Mario entwischte eine Psammophis schokari. Von den Wirbellosen waren wir von einer riesigen Monstergrille fasziniert, die dort in hohen Stückzahlen lebt, außerdem sahen wir eine Solifuge und eine hübsche Gottesanbeterin sowie etliche Käfer, Spinnen, Skorpione und Heuschrecken. Etwas weiter den Hügel hinauf an einem Hang, an dem sich Bienenfresser angesiedelt hatten, fingen wir noch ein Paar Eumeces algeriensis und fanden eine überfahrene Berberkröte - Bufo mauritanicus. Eine Eidechsennatter – Malpolon monspessulanus entwischte uns leider, wir waren irgendwie zu langsam für die schnellen Schlangen.

Atlasagame – Agama bibronii
Atlasagame – Agama bibronii
 
Während unserer Rückfahrt machten wir noch zwei mal Station in der zentralen Meseta zwischen Beni Mellal und Casablanca. An einem kleinen Hügel ragten einige Felsen aus der Meseta hervor und überall dort stellt sich sofort die wohl häufigste Reptilienart Marokkos ein, nämlich die Atlasagame – Agama bibronii. Nicht ganz so häufig, aber auch weit verbreitet in Marokko ist der Mauergecko – Tarentola mauritanica, der hier extrem variabel erscheint und nördlich des Atlasgebirges in der Nominatform vorkommt. Erst nachträglich konnten wir den Gecko Saurodactylus fasciatus anhand unserer Bilder als solchen identifizieren. Diese endemische Art ist nur von wenigen Fundpunkten in der Meseta bekannt. In einem ehemaligen Abbaugebiet konnte Franz noch eine junge Hufeisennatter – Hemorrhois hippocrepis unter einem Stein finden. Die junge Schlange war frisch gehäutet und daher ein absoluter Blickfang!


Weitere Bilder zu diesem Abschnitt



 

Der Mittlere Atlas – Moyen Atlas 


Mario und Werner hatten sich vorgenommen, die (ehemaligen) Vorkommensgebiete des grünen Sandläufers – Psammodromus microdactylus zu erkunden, der ja bis zu seiner Wiederentdeckung im mittleren Atlas über 50 Jahre verschollen war. Der Lebensraum dieser Art waren die ehemals ausgedehnten Palmetto Zwergpalmenhaine, die früher große Flächen des mittleren und hohen Atlasgebirges bedeckten. Mit der Rodung der Palmettos verschwanden auch die Eidechsen und so waren Mario und Werner bei ihren ersten zwar vielversprechenden Habitaten glücklos und konnten hier nur die für die Gegend häufigeren Vertreter der Herpetofauna nachweisen. Dazu zählen Agama bibronii, Podarcis vaucheri, Psammodromus algirus, Testudo graeca und an den Felsen neben Tarentola mauritanica auch die Brilleneidechse - Teira perspicillata, die hier hauptsächlich in der Form chabanaudi, manchmal auch gemeinsam mit der Nominatform auftritt.

Grünen Sandläufer – Psammodromus microdactylus
Grünen Sandläufer – Psammodromus microdactylus

In der Nähe von Beni Mellal gelang Mario dann schließlich der sensationelle Fund eines weiblichen grünen Sandläufers. Die Eidechsen sind in den Zwergpalmen fast nicht zu entdecken und noch viel schwieriger zu fangen, da sie auf der Flucht in das Palmeninnere  klettern. Syntop kommen in den Palmettos P. algirus und A. bibronii vor. An einem nahegelegenen Hain konnte Franz neben einem Eumeces algeriensis auch einen Blanus mettetali unter einem Stein finden. Die Doppelschleiche ist vom iberischen Blanus cinereus für uns nicht zu unterscheiden gewesen.

Ganz in der Nähe befinden sich die Wasserfälle von Ouzud, in deren Schlucht eine der letzten freilebenden Kolonien von Berberaffen in Marokko lebt. Wir konnten leider die Berberaffen nicht beobachten, dafür schwammen in dem Fluss etliche Bachschildkröten – Mauremys leprosa umher. Zudem ließen sich Bienenfressern und Blauracken bereitwillig beobachten.    

Ein Abstecher ins Hochgebirge des mittleren Atlas war zwar landschaftlich beeindruckend, brachte uns aber in herpetologischer Sicht kaum nennenswerte Funde. In mittleren Höhen ist die Perleidechse – Timon tangitanus weit verbreitet und auch recht häufig anzutreffen. An einem Bach über 2.000 m entdeckten wir noch Berberköten und eine Vipernatter – Natrix maura. Am höchstgelegenen Fundpunkt auf 2.800 m gingen wir auf die Suche nach der in Marokko endemischen Eidechse Atlantolacerta andreanszkyi, die wir hier aber vergeblich suchten. Lediglich einige Podarcis vaucheri besiedelten diese kargen Gebirgshänge, die von Ginster und einer weiteren Strauchart gelb und blau erleuchtet wurden. Hier oben hält sich eine ums Überleben kämpfende Gruppe an Bäumen tapfer gegen die Naturgewalten Schnee und Wind und wahrscheinlich auch gegen eine Übermacht von Ziegen im Hochsommer. Auf den Gipfeln, die über 3.000 m hoch sind, lag überall noch Schnee und massive Vermurungen zeugten von enormer Schneeschmelze in diesem Frühjahr. Bei unserer Gebirgsfahrt hatten wir uns grob mit den Distanzen verschätzt und als es dunkel wurde, waren wir schließlich froh, wieder auf befestigten Straßen unterwegs zu sein.


Weitere Bilder zu diesem Abschnitt


 

Der Hohe Atlas – Haut Atlas 


Einer unserer Ausflüge von Marrakesch aus ging nach Oukaïmeden am Fuße des höchsten Berges von Marokko, dem Jebel Toubkal mit einer Höhe von 4.165 m. Unser erster Halt auf 1.700 m Seehöhe bescherte uns eine hohe Anzahl an Perleidechsen in allen Altersklassen. Außerdem sind Agama bibronii, Psammodromus algirus, Tarentola mauritanica und Teira perspicillata sowie Bufo mauritanicus überall recht häufig vertreten, wobei Kröten häufig überfahren gefunden wurden. Entlang der Bäche waren überall Nachtigallen zu hören.

Je höher wir auf der Passstraße hinauffuhren, desto schlechter wurde das Wetter. Auf 2200 m Seehöhe fanden wir immer noch die gleichen Vertreter der Herpetofauna wie auf 1.700 m, allerdings kamen einige neue Arten hinzu. Allen voran dominierte Podarcis vaucheri im Lacertidenbereich, aber auch einige Endemiten wie Quedenfeldtia trachyblepharus und Chalcides montanus waren hier zu finden. Die Berberdörfer in dieser Gegend sind noch sehr ursprünglich, aber doch bereits stark vom Tourismus geprägt.

Auf 2.500 m fing es an, wie aus Kübeln zu schütten und der Nebel machte jegliche Hoffnung zunichte, hier sinnvoll nach Reptilien suchen zu können und so blieben uns einige endemische Arten wie Vipera monticola oder Atlantolacerta andreanszkyi verwehrt und wir verzichteten auch auf die Weiterfahrt nach Oukaïmeden auf der Mautstraße. Stattdessen verlegten wir uns auf die Suche nach Amphibien am Abfluss eines Staudammes, denen dieses schlechte Wetter nichts ausmacht. Neben Berberköten kommt hier auch die Erdkröte - Bufo bufo vor, die in Marokko auf die feuchtesten und kühlsten Regionen beschränkt ist. Sehr häufig und fast an jedem Gewässer zu finden sind Wasserfrösche – Pelophylax perezi, die hier gerade in Paarungsstimmung waren. Überraschend häufig haben wir hier den Mittelmeerlaubfrosch – Hyla meridionalis angetroffen, welche die am Bach schwärmenden Mücken jagten.

Da der Regen bereits in Schneeregen überging, beschlossen wir umzukehren und versuchten unser Glück am Fuß des Gebirges, wo wir noch einige Bachschildkröten, Berberskinke und Landschildkröten fanden.

Berberkröte - Bufo mauritanicus
Berberkröte - Bufo mauritanicus
 
Am nächsten Tag überquerten wir den Hohen Atlas etwas weiter östlich. Unser erster Halt an einem vom Gebirge kommenden Fluss bescherte uns Unmengen an Berberkröten und Bachschildkröten sowie einige ganz schwarze Mauergeckos, Laubfrösche, Walzenskinke, Landschildkröten und Wasserfrösche. An einer Steinmauer entwischte uns eine Sandrennnatter.

Die Passhöhe liegt über 2.000 m Seehöhe und die Berberdörfer in dieser Gegend sehen ganz anders als am Toubkal aus. Wären da nicht die Unmengen an Satellitenantennen, so könnte man vermuten, dass die Ortschaften ausgestorben wären. Entlang der Straße wurden von vielen Mopedfahrern hübsche Mineralien angeboten. Je höher wir kamen, umso mehr wurde der Fluss zu einem kleinen Bach und nahe der Passhöhe machten wir uns auf die Suche nach einem Amphib, das in solchen Habitaten vorkommt, nämlich Discoglossus (pictus) scovazzi. Die Scheibenzüngler kommen hier sowohl in der gestreiften, als auch in der gepunkteten Morphe vor. An den sehr trockenen Berghängen fanden wir sonst nur noch Podarcis vaucheri, allerdings in hohen Stückzahlen.

Unbedingt zu erwähnen ist eine Wirtschaft entlang der Straße, die vier verschiedene Biersorten anbietet. Natürlich war hier eine Pause absolut verpflichtend. Während unserer Talfahrt in Richtung Ouarzazate blieben wir noch an einer Stelle stehen, an der Mario vor Jahren eine Daboia mauritanica gefunden hatte. Wir konnten hier allerdings nur Timon tangitanus und Chalcides montanus nachweisen. Plötzlich änderte sich das Landschaftsbild komplett – wir waren im Kessel von Ouarzazate angekommen – einer sehr artenreichen Gegend, wo sich die Faunenelemente des Atlasgebirges und der Sahara treffen.


Weitere Bilder zu diesem Abschnitt



 

Der Kessel von Ouarzazate

 

Ouarzazate ist berühmt für die Filmstudios, in denen u.a. so berühmte Filme wie „Lawrence von Arabien“ oder „Gladiator“ gedreht wurden. Die Stadt selbst mit ihrer kleinen Altstadt und ihrer hübschen Kasbah ist recht beschaulich und stressfrei im Vergleich zu den Großstädten jenseits des Atlasgebirges. Das Fint Hotel war eine exzellente Unterkunft mit Swimmingpool, Bierbar und den ersten Geckos an unseren Zimmerlampen. Dabei handelt es sich um Tarentola mauritanica juliae, der hier vorkommenden Unterart des Mauergeckos. Die zweite hier vorkommende Tarentola Art T. boehmei fanden wir leider nicht.

Oase
Marios "Privatoase"

Unseren ersten Tag im Kessel verbrachten wir in Marios Privatoase, dem Auslauf eines Stausees in absolut idyllischer Landschaft mit Palmen umgebenen Oasengewässern und einer unglaublichen Artendichte an Reptilien und Amphibien. Bufo mauritanicus, Hyla meridionalis und Pelophylax perezi bilden die Amphibiengesellschaft, die - und vor allem deren Kaulquappen - von Vipernattern - Natrix maura gejagt wurden. Weitere aquatische Bewohner der Oase sind Bachschildkröten – Mauremys leprosa, die hier allerdings allesamt sehr scheu sind. Die sandigen Stellen entlang des Baches werden von Acanthodactylus boskianus bewohnt, die extrem flink und daher kaum zu fangen sind. Etwas weiter hangaufwärts leben Mesalina guttulata in steinigem Lebensraum. Und dort wo noch größere Felsen und Gesteinsbrocken dominieren, kommen die beiden Agamenarten Agama bibronii und Uromastyx acanthinura vor. Entlang steiler Felsen klettern die Geckos Ptyodactylus oudrii herum, die eigentlich nachtaktiv sein sollten, sich aber regelmäßig am Tag sonnten. Zwischen Geröll entlang des Baches fanden wir auch noch einige Chalcides ocellatus, die hier in der Nominatform vorkommen. Während der Nacht versuchten wir noch, unser Artenspektrum durch Schlangen wie Cerastes oder Naja aufzubessern, was uns aber leider nicht gelang.

Ein besonderes Highlight sind die bunten Uromastyx acanthinura, die sich entlang der Straße am Oued Ouarzazate von ihren schönsten Farben zeigen. Auf jedem höheren Stein sitzt entweder ein blaues Atlasagamenmännchen oder eine Dornschwanzagame mit grüner, gelber oder oranger Färbung. Man kann sich den Tieren zwar mit dem Auto problemlos nähern, sobald man aber die Türe öffnet, verschwinden sie in ihrem Bau. Wir beobachteten Einheimische, die die Dornschwänze mit Schlingen fingen – diese waren wohl zum Verzehr gedacht. Etwas weiter in Richtung Atlas am Oued Tiffoultoute erkundeten wir eine besonders aussichtsreiche Stelle an einem Stausee, in welchem wir von weitem etliche Bachschildkröten sichteten. Nach einem kurzem Stopp beschlossen wir, hier in der Nacht zurück zu kommen, um zu suchen. Dies stellte sich als Glücksfall heraus, denn nach einiger Zeit fand Thomas in der Dunkelheit im sandigen Flussufer Spuren einer  Hornviper. Während Franz den Fund unserer ersten Wechselkröte – Bufo viridis vermeldete, konnte Thomas tatsächlich nach einiger Zeit den Verursacher der Spuren im Sand – eine Cerastes cerastes -  aufstöbern. Bei einem zünftigen Abendessen am Marktplatz von Ouarzazate mit einem Ständchen eines Berbers klang der erfolgreiche Tag aus.

Uromastyx acanthinura
Nordafrikanische Dornschwanzagame - Uromastyx acanthinura

Am anderen Tag fanden wir die Stelle aus der Dokumentation – World of Plastic – es handelt sich dabei um die weitere Umgebung der Müllhalde von Ouarzazate, wo an jedem Baum und Strauch Unmengen an Müll, vor allem Plastiksackerl herumhängen. Die ganze Gegend sieht aus wie eine Müllhalde. Trotzdem fanden wir auch hier einige Reptilien wie Tarentola mauritanica juliae, Acanthodactylus boskianus sowie Agamen und Frösche. Unser eigentliches Ziel dort waren Chamäleons, die wir leider nicht fanden. Daraufhin verfrachtete uns Mario in ein kleines Wadi im westlichen Kessel, wo er früher diese Art gefunden hatte. Tatsächlich dauerte es keine zwei Minuten, bis Hannes das erste Chamäleon vermeldete, dem gleich mehrere weitere folgten. Insgesamt konnten wir innerhalb einer Stunde ein knappes Dutzend Chamäleons an dieser Stelle finden. Etwas weiter talabwärts beobachteten wir Atlashörnchen in einem Dattelhain an einer Böschung. Gleich daneben trat Wasser an die Oberfläche und einige Burschen fingen für uns einige kleine Fische sowie eine Vipernatter.


Weitere Bilder zu diesem Abschnitt



 
Zwischen Tineghir und Errachidia

  

Östlich von Ouarzazate auf dem Weg nach Errachidia haben sich entlang der Südabdachung des Hohen Atlas mehrere markante Täler und Schluchten in die Landschaft gegraben. Dazu zählen die bekannten Schluchten des Dades, der Todra und das Ziztal – allesamt Ziele unserer Reise. Zuvor stoppten wir allerdings an einem weniger spektakulären trockenen Wadi und erkundeten dieses. An mehreren Stellen fanden wir leere ausgefressene Schwänze von Dornschwanzagamen – bis heute rätseln wir, welcher Prädator diese Überreste hinterlassen hat. Rund um einige Büsche patrouillierten einige wenige Fransenfingereidechsen, die sich als Acanthodactylus erythrurus belli zuordnen ließen. Thomas entdeckte schließlich ein Loch in einer Böschung mit einer Spur im Sand davor, die Mario  als „colubride Schlange, die entweder in das Loch oder aus dem Loch kroch“ einstufte. Daraufhin holte Franz den Spaten aus dem Auto wir gruben nach einiger Zeit tatsächlich eine Rhagerhis moilensis aus, die sich genauso wie ihr zweiter Name „falsche Kobra“ verhielt.

Moilanatter - Malpolon moilensis
Moilanatter - Rhagerhis moilensis

Sowohl die Dades- als auch die Todraschlucht sind landschaftlich spektakulär. Mario hat beide Schluchten erstmals in den 70er Jahren besucht und anhand der Vergleichsfotos sieht man die Entwicklung der Straßen und die heutige Vermarktung an Touristen. Wir konnten in den Schluchten neben Felsentauben auch Wanderfalken und Habichtsadler sowie Blaumerlen beobachten. In der Gegend um Tineghir werden Rosen zur Duftwasserherstellung angebaut, was auch auf den Straßen massiv beworben wird. Zum Suchen nach Reptilien blieb hier wenig Zeit und so sahen wir von weitem nur einige Atlasagamen.

Östlich von Tineghir beginnen bereits ausgedehnte flache Kieswüstenfelder – die Reg Wüste. Sie beherbergt eine relativ artenarme Herpetofauna und es ist sehr mühsam, hier zu suchen. Sobald einige Senken mit Sandeinschwemmungen entstehen, sind die Aussichten besser. Wir fanden hier den Gecko Tropiocolotes tripolitanus in einem Schotterhaufen sowie die Eidechse Mesalina olivieri, die sich von der sympatrisch vorkommenden M. guttulata durch ihre leichte Streifenzeichnung sowie ihr Vorkommen auf sandigerem Substrat unterscheidet. Eine überfahrene Sandrennatter und ein Walzenskink stellten die bescheidene Ausbeute des Reg's dar. In einem Akazienbestand in der Gegend von Mecissi fanden Werner und Mario noch bei der Rückfahrt eine starke Population von Acanthodactylus boskianus.

Vom Ziz Fluss wurde von Schleich 1996 das Taxon Mauremys leprosa zizi beschrieben, welches zur saharica Gruppe gehören soll. Wir besuchten die blauen Quellen von Meski und konnten ein Exemplar fangen und fotografieren, welches von der Ouarzazate Population für uns nicht zu unterscheiden war. Ansonsten waren hier nur Wasserfrösche und Berberkröten zu finden.

Im Anschluss fuhr die größere Gruppe über Errachidia ins Gebirge und überquerte dieses im Bereich, wo sich Hoher und Mittlerer Atlas überschneiden. Auf einem Hochplateau wurde noch eine kurze Pause gemacht und in den Felsen fanden sich Teira perspicillata sowie dazwischen Acanthodactylus erythrurus belli.


Weitere Bilder zu diesem Abschnitt



 
Die Sanddünen des Erg Chebbi

 

Nach der Besichtigung der Schluchten und der Querung des trostlosen Reg Schotterfeldes erreichten wir am Abend nach der Abreise von Ouarzazate  die faszinierenden 150 m hohen Sanddünen des Erg Chebbi, ein wahrlich spektakulärer Anblick. Einige Einheimische spielen den Touristen eine Autopanne vor, werden dann mitgenommen und während der Fahrt stellt sich dann schön langsam heraus, dass es sich um eine Anwerbung der Unterkunft an den Dünen handelt. Da uns dieses Quartier aber nicht zusagte, brachte uns Mario in eine günstige, einfache aber feine Unterkunft (mit Swimmingpool), direkt an den Dünen, wo er bereits vor 10 Jahren mit Dirk Frühling untergekommen war – in der Sahara Lodge. Vom Besitzer wurde er sofort als jener Verrückte erkannt, der damals vor langer Zeit auf Schlangenjagd ging!

Erg Chebbi RK
Erg Chebbi

Unser erstes und wiederholtes Ziel waren die hohen Sanddünen, welche auch von Touristenkarawanen mit Kamelen bestiegen wurden. Am Fuß der Dünen ist die Vegetation für derartige Wüstenverhältnisse als üppig zu bezeichnen. Bäume, Sträucher und Gräser zusammen in pultartiger Form bilden ideale Verstecke für Säugetiere, Vögel und Reptilien. In diesen Bereichen patrouillieren überall Fransenfingereidechsen – Acanthodactylus dumerili, die zur A. scutellatus Artengruppe gehören. Ein weiterer Vertreter der Herpetofauna im unteren Dünenbereich ist Stenodactylus petrii, von dem wir mehrere Exemplare, meist in der Nacht finden konnten. Seinen Verwandten S. sthenodactylus fanden wir leider nicht. Im hohen Dünenbereich wird die Vegetation immer spärlicher und reduziert sich schließlich auf einige Grasbüschel, die irgendwie den Überlebenskampf gegen die Trockenheit gewinnen. Der einzige Vertreter der Herpetofauna, den wir hier vorfanden, war Acanthodactylus longipes, einen nahen Verwandten von A. dumerili, der aber wohl aufgrund der geringeren Versteckmöglichkeiten in seinem Habitat noch flinker über die Dünen saust. Lediglich am frühen Morgen war es möglich, den Eidechsen nahe zu kommen und sie zu fotografieren. Longipes hat kleine orangebraune dorsale Flecken, während dumerili schwarze Flecken aufweist – eine Unterscheidung im Gelände ist fast unmöglich.

Avicennaviper - Cerastes vipera vergräbt sich im Sand der Erg Chebbi

In der Nacht nahmen wir unser Hauptziel in den Dünen in Angriff – Cerastes vipera, die Sandviper. In einer fast unendlich langen Suche gaben nach und nach die Teilnehmer auf und kehrten enttäuscht in die Unterkunft zurück, doch die Hartnäckigkeit zahlte sich dann doch aus und Richard konnte eine schöne Sandviper in einer Düne nahe einer Baumgruppe finden. Es ist faszinierend, wie schnell sich diese Schlange im Sand eingraben kann, sodass am Ende nur noch die nach oben gerichteten Augen herausschauen.

Auch an Amphibien fehlte es nicht in der Sandwüste. In unserer Unterkunft fanden wir überall Wechselkröten – Bufo viridis - in erheblicher Anzahl. An einem Bewässerungsgraben tummelten sich in der Nacht hunderte Berberkröten und einige Wechselkröten. Wovon sich all diese Tiere in der kargen Wüstenlandschaft ernähren, blieb uns ein Rätsel. An Wirbellosen fanden wir Galeodes und große Wolfsspinnen, Bock- und aggressive Laufkäfer sowie diverse Heuschrecken und Grillen. Außerdem sahen wir in den Buschgruppen Laubsänger und auf den Steinfeldern gegenüber den Dünen Wüstensteinschmätzer.

Westlich von Merzouga liegt der große See Dayet Srij, der während Marios früheren Besuchen immer ausgetrocknet war. Diesmal war der See noch gut gefüllt und dementsprechend gut von Wasservögeln besetzt. Wir konnten dort u.a. Unmengen an Rostgänsen, Zwergtauchern, Rallen und Flamingos beobachten. Innerhalb der wenigen Tage unserer Anwesenheit war zu beobachten, wie der See etwa die Hälfte seiner Ausdehnung verloren hat.

Marokko Landschaft RK Sonnenuntergang
Stimmungvoller Abschluss der Reise

Nach unserem Besuch des Museums für fossile Ausgrabungen in Rissani, den wir zum Kauf von Souvenirs nutzten, entdeckten wir ein vielversprechendes trockenes Wadi, das sowohl größere sandige Abschnitte, wie auch Kies- und Felsabbrüche aufwies. Leider hatten wir nur noch sehr wenig Zeit übrig, dennoch gelang es Christoph, dort eine weitere Cerastes vipera zu fangen. Franz fügte unserer Artenliste noch Trapelus mutabilis sowie Tarentola deserti hinzu. Die Agame entdeckte er im schottrigen Bereich, den Gecko fand er an den seitlichen Abbrüchen des Taleinschnittes. Ganz frische Spuren eines großen Varanes (Varanus griseus) endeten vor einem Loch in einem steinigem unzugänglichem Bereich, auch Spuren von einem Sandfisch (Scincus scincus) und (wahrscheinlich) einer gekrönten Schnauzennatter (Lytorhynchus diadema) fanden wir in den sandigen Abschnitten. Leider konnten wir in diesem Habitat keine weitere Erkundung durchführen, da wir bereits unsere Rückfahrt antreten mussten.


Weitere Bilder zu diesem Abschnitt



 
Über das Souss Tal zur Atlantikküste

 

Während die Reise für einen Teil nach der Rückfahrt über den Atlas und den Heimflug von Casablanca bereits endete, fuhren Werner und Mario noch gemütlich zurück nach Ouarzazate und dann weiter in Richtung Süden nach Taroudant. Im Souss Tal bei Aouluz stocken die ersten Arganbäume (Argania spinosa), eine in Südwestmarokko endemische Pflanze, die der Ölgewinnung dient und ein wichtiger Faktor gegen die Desertifikation darstellt. Leider ist die allgegenwärtige Überweidung durch Ziegen ein großes Problem für die Arganien, die sich ohne menschliches Zutun nicht mehr natürlich vermehren können. In der Plantage entdeckten wir einen Berberskink und immer wieder Atlasagamen, bei denen besonders die trächtigen Weibchen mit ihrer gelborangen Färbung schon von weitem zu erkennen sind.

Am Test Pass kannte Mario eine Stelle mit Quedenfeldtia moerens, er konnte sich aber nicht mehr erinnern, dass die Stelle derart hoch gelegen war und so entwickelte sich der geplante kurze Abzweiger zu Werners Freude zu einem Hochgebirgsausflug, bei dem neben der o.a. Art noch Teira perspicillata pellegrini gefunden wurde. Zurück im Sousstal gelangen noch einige Funde von Testudo graeca soussensis, die von Pieh 2001 beschrieben wurde.

Im Sousstal kommen etliche tropische Reliktarten vor und die Zusammensetzung der lokalen Herpetofauna differiert deutlich von jener in der Sahara. Acanthodactylus busacki (der A. pardalis Gruppe zugehörig) war plötzlich die dominierende Fransenfingereidechse, die in den Küstendünen von Acanthodactylus aureus (A. scutellatus Gruppe) abgelöst wird. Als letzte Fransenfingerart konnten wir südlich von Safi noch Acanthodactylus lineomaculatus (A. erythrurus Gruppe) beobachten. Als weitere Vertreter der Herpetofauna beobachteten wir Bufo viridis, Testudo graeca, Psammodromus algirus, Saurodactylus brosseti und – wie fast immer – Agama bibroni.

Landschaftlich sehr beeindruckend sind die uralten dem Wind ausgesetzten Arganienbäume. Der Besuch einer Produktions- und Verkaufsstätte von Araganienöl ist beeindruckend, da die Frauen die Arganiennüsse noch immer händisch öffnen und weiter bearbeiten. Die Rückfahrt entlang der Küste nach Norden beendete schließlich auch die Reise für Mario und Werner, die nach einigen Tagen wohlbehalten in Österreich ankamen. 


Mario Schweigers Marokkobericht 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren