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Status Oktober 2015 [Update: Dezember]

 

Wo soll ich beginnen? Der, im Privaten sehr ereignisreiche, Sommer ist vorüber und ich konnte mich endlich wieder den Gewässern widmen. Die für mich letzte Ferienwoche, also die letzte Septemberwoche, nutzte ich und mein Großvater (an dieser Stelle sei ihm herzlich gedankt) schließlich dafür die einzelnen Tümpel zu pflegen und, endlich, Gewässer 3 in Kronberg auszubaggern und herzurichten.
Jetzt und in Zukunft werde ich den Artikel, der noch besseren Struktur und Übersichtlichkeit wegen in einzelne Unterabschnitte gliedern, in welchen die einzelnen Gewässer und deren Entwicklung genauer beschrieben werden.

 

Gewässer 1

 

Die ersten Tage der Woche investierte ich in die Pflege des stark zugewachsenen Gewässer 1.

 

Bild 1

Situation vor der Pflegemaßnahme

 

Durch den extrem heißen und trockenen Sommer konnte sich eine sehr stabile Vegetation ausbilden, die selbst im Folienteil „gewässergefährdende" Ausmaße annahm. Das Hauptziel war es also die Vegetation, wieder einmal, soweit zurückzudrängen, dass auch bei durchschnittlichen Niederschlägen wieder ein gewisser Wasserstand erreicht werden kann. Besonders problematisch wurde die Situation vor allem deshalb, da die Hauptzubringer für Wasser in Gewässer 1 starke (Gewitter)regen sind, welche dieses Jahr praktisch nicht auftraten.

 

Bild 2

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Links: Nach der Mahd mit der Handsense und angefangener Entfernung der Grasnarbe.

Rechts: Mit enormer Anstrengung gelang es mir die Grasnarbe notdürftig zurückzudrängen.

 

Bild 4

Gewässer nach der Pflegemaßnahme. Wie man sieht wurde noch nachverdichtet und etwas vertieft.

Auch die Wassereinläufe wurden erneuert.

 

Zu guter Letzt noch eine sehr wichtige Information zu Gewässer 1: Während der Arbeit wurde ich von einem älteren Herren angesprochen, welcher sich als der Grundbesitzer entpuppte. Dieser erklärte mir, dass er zwar grundsätzlich nicht gegen den Tümpel sei, jedoch dieser anscheinend den Wert seines Grundes mindern würde und, dass die Anlage der Vertiefung mit ihm nur unzureichend besprochen wurde. Betreffender Herr erklärte mir weiter, dass er generell bereit wäre das Grundstück mit der Gemeinde zu tauschen oder zu verkaufen, laut eigenen Angaben jedoch die Verhandlungen nur äußerst schleppend verlaufen würden. Er erwähnte dabei immer wieder, dass er das Gewässer schon mehrmals zuschütten wollte bzw. dies auch in Zukunft geschehen könnte.
Ich war natürlich genauso geschockt, wie vermutlich viele meiner Leser, hatte jedoch zum Glück die Gelegenheit sofort in die Sprechstunde des Bürgermeisters zu gehen und die Angelegenheit zu besprechen. Der Bürgermeister vermittelte mir ein vollkommen anderes Bild: Die Gemeinde wird sich mit dem Grundbesitzer höchstwahrscheinlich einig werden und das Land übernehmen. Dies könnte für das Gewässer eine sehr große Chance bedeuten, da die Gemeinde speziell daran interessiert ist, dass Wasser an einen zentralen Punkt zu leiten. Aus diesem Grund könnte der Tümpel eventuell vergrößert und durch Gräben viel besser mit Wasser versorgt werden!

 

Gewässer 2

 

Die Situation am Gewässer 2 war erwartungsgemäß zwar nicht völlig anders, aber um einiges besser als an Gewässer 1.

 

Bild 5

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Links: Situation bei der Ankunft.

Rechts: Lediglich die Bewässerungsgräben hatten die Pflege bitter nötig.

 

Bild 7 kl

Ansonsten sah das Gewässer äußerst gut aus, auch ein „verirrter" Springfrosch wurde gesichtet.

 

Für kommendes Jahr bin ich wieder einmal zuversichtlich, da der Tümpel auch in diesem extremen Jahr sehr gut standgehalten hat. Das bedeutet bei durchschnittlichen Niederschlägen mit Sicherheit ausreichend Wasser und eventuell schon eine Reproduktion von Erdkröten bzw. Springfröschen, welche in dem Gebiet sehr häufig sind. An Laubfrösche oder gar Wechselkröten möchte ich dabei aber noch nicht denken, auch wenn nur eine Sichtung am Gewässer extrem motivierend wäre.

 

Bild 8

Der Bewässerungsgraben nach der Pflegemaßnahme.

 

Gewässer 3 (Neu!)

 

Dann war es endlich soweit: Gewässer 3 in Kronberg wurde ausgebaggert! Dabei wurden die ursprünglichen Pläne wieder einmal in letzter Sekunde über den Haufen geworfen und das Gewässer viel näher am Wassereinlauf angelegt. Aufgrund meines neu erworbenen Wissens in der Bodenprüfung, konnte ich sogar feststellen, dass sich der Gewässergrund aus einem sehr tonigen Lehmboden zusammensetzt, welcher das Wasser gut halten sollte. Generell habe ich in der letzten Zeit herausgefunden, dass es scheinbar weit weniger wichtig ist, wie dicht das Gewässer ist, viel bedeutsamer ist die Wasserversorgung, welche im Optimalfall schon bei wenigen Litern Regen einen ausreichenden Wasserstand gewährleisten sollte. Bei Gewässer 3 ist dies definitiv der Fall, wie ich es bereits vor einem Jahr bemerkt habe.

 

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Bild 11

Bild 12

 ...fertig ist die "Rohfassung" des Gewässers.

 

In der Folge musste natürlich ein Wasserein- und Wasserauslauf gegraben und das Gewässer mit dem Rüttelstampfer, an den steilen Stellen mit der Schaufel, verdichtet werden. Aufgrund oben beschriebener „Erkenntnis" möchte ich es diesmal ohne Folienteil versuchen.

 

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Bild 14

Links: Das Gewässer nimmt Form an.

Rechts: Situation direkt am Wassereinlauf (ca. 3m vom Gewässer entfernt), der im Bild vorne liegende Kanal dient bei Starkregenfällen als erster Überlauf.

 

Bild 15

Gewässer im vorläufigen Endzustand.

 

Der Auslauf wird in nächster Zeit auf jeden Fall noch mit einem Rohr ausgestattet, um die Erosion durch das Wasser zu minimieren.

 

Pillichsdorfer Retensionsbecken

 

Bei der Ankunft gab es erneut eine Überraschung. Das Gewässer ist nun vollständig gemäht (das Schilf steht zwar wieder ca. 0,5m hoch, dies stellt jedoch eine wesentliche Verbesserung zu 3m hohen Weiden dar) Mein ursprünglicher Plan war es noch einmal „schnell" die letzten oder wieder gewachsenen Weiden zu entfernen und das Schilf ebenfalls noch einmal zurückzudrängen. Zuerst musste jedoch der Bewässerungsgraben wieder erneuert werden.

 

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Links: Situation zu Beginn.

Rechts: Situation am Wassereinlauf, der kleine Graben ist völlig verwachsen und kaum mehr sichtbar.

 

In der Folge wurde mit der noch funktionierenden Motorsense, dem Rüttelstampfer und einiges an Handarbeit der Bewässerungsgraben wiederhergestellt. 

 

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Ab dem Zeitpunkt wollte alles nicht mehr so recht funktionieren... Zum Glück brachten wir den Rüttelstampfer am Vortag noch zeitgerecht zum Verleiher zurück, doch dann ging leider einiges schief. Die Motorsense fing an Probleme zu machen, nur um dann schlussendlich gar nicht mehr zu funktionieren. Zum Glück war bis dahin schon ein Großteil der kleinen Weiden/Bäume abgemäht, beziehungsweise mussten diese ohnehin per Hand mitsamt Wurzelgeflecht ausgerissen werden. Nachdem die Sense kaputt geworden war, wollten ich und mein Großvater das Gerät bei unserem Ferienhaus, welches ca. 10km entfernt liegt reparieren und wir ließen einen Großteil des Werkzeugs inklusive kleinem Anhänger bei dem Gewässer, in der Erwartung „in 5 Minuten" wiederzukommen. Dem war leider nicht so. Nachdem wir einen, offenbar verlorenen, Stein auf der Straße überfahren hatten, begann das Motoröl aufgrund eines Ölwannenschadens auszulaufen. Dies bedeutete einen Feuerwehreinsatz, das Abschleppen des Fahrzeugs, inklusive erschwerter Heimfahrt für meinen Großvater, welcher am Tag darauf Geburtstag hatte und diesen natürlich zuhause in Salzburg verbringen wollte. Die gesamten Ereignisse dieses turbulenten Tages hier aufzulisten, würde wohl den Rahmen sprengen, ich hoffe nur es ist nun verständlich, dass das Hauptgewässer in Pillichsdorf leider nicht vollständig gepflegt werden konnte.

 

 

Status Juni 2015

 

Vorweg möchte ich mich bei meinen Lesern dafür entschuldigen, dass bis zu diesem Update eine derart lange Zeit vergangen ist. Dies hatte neben schulischen (Matura), leider auch andere Gründe. Das Jahr 2015 hat sich nämlich wieder einmal als „Schreckensjahr" für jeden Herpetologen, aber auch für jeden Landwirt, präsentiert. Die Wetterstation Poysdorf, für das Weinviertel allgemein ein guter Referenzwert, registrierte zwischen Mitte März und Mitte Mai de facto keinen Niederschlag (ca. 30l verteilt auf mehrere Tage). Dadurch wurde die relativ gute Ausgangssituation zunichte gemacht und alle Gewässer trockneten zwischenzeitlich – genau zur wichtigsten Laichzeit der Wechselkröten – aus. Momentan befindet sich immerhin in Gewässer 2 wieder Wasser, nachdem zum ersten Mal in diesem Jahr wieder mehr als 15l bei einem Niederschlagsereignis zusammenkamen. Beim Gewässer 1 hat zumindest das Foliengewässer wieder Wasser, der nicht abgedichtete Teil hatte bei der letzten Besichtigung am 25. Mai nur einen äußerst geringen Wasserstand aufzuweisen. Besonders ungünstig ist die Situation in Pillichsdorf wo trotz Mäharbeiten und neu gegrabenem „Bewässerungskanal" ebenfalls kaum Wasser im großen Gewässer stand/steht. 

 

Bild 1

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 Situation am 30. März 2015

  

Bild 3

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 Situation am 25. April 2015

 

Nur eine Woche später war dann, vermutlich durch den starken Wind und die ziemlich hohen Temperaturen, alles ausgetrocknet. Davon habe ich aber leider keine Bilder gemacht. Dementsprechend wenig (nichts) war bzgl. Amphibien aber auch bzgl. Reptilien in und um die Gewässer los. Das einzig wirklich Interessante dieses Frühjahr war dann der Regen Mitte Mai und die vorhergehenden Arbeiten.

 

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Anlage eines Wasserleitgrabens zur effizienteren Wassernutzung: davor-danach Pillichsdorf

 

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Alljährliche Pflegemaßnahme: davor-danach Gewässer 1

 

Nach dem großen Regen sahen die Gewässer dann immerhin wieder so aus:

 

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Ich vermute, dass es in Gewässer 1, im nicht abgedichteten Teil, zu einer starken Saugwirkung des

staubtrockenen Bodens gekommen ist - daher ist nur so wenig Wasser vorhanden

  

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Gewässer 2 ist eindeutig besser gelegen als Gewässer 1 und führt nach den ausgiebigen Niederschlägen wieder 30cm Wasser!

  

Bild-11

Immerhin befindet sich in Wagenspuren etwas Wasser, darin konnte ich nachts zwei Erdkrötenmännchen

und eine Rotbauchunke vorfinden

 

Auch wenn dieses Frühjahr leider nicht sehr günstig verlaufen ist, bin ich dennoch zuversichtlich. In den nächsten Monaten stehen nämlich noch die Anlage des 3. Gewässers im Spätsommer und die umfangreiche Pflege der bestehenden Gewässer auf dem Programm.

   

 

Status Jänner 2015

 

Nach einer langen Winterpause, die noch nicht gänzlich vorüber ist, melde ich mich wieder mit einem kurzen Update zur aktuellen Gewässersituation. Im Gegensatz zum letzten Jahr hat es diesen Winter durchschnittliche bis leicht überdurchschnittliche Niederschläge gegeben. So kann man auch leicht über die bisher viel zu hohen Temperaturen und dementsprechend wenig Schnee hinwegsehen. Bei meiner Visite Anfang Februar befand sich in beiden neuangelegten Gewässern flächendeckend Wasser, wenngleich der unfolierte Teil von Gewässer 1 nur bodendeckend (~3cm) Wasser führte.

 

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 Das Foliengewässer rechts ist prall gefüllt

 

Umso erfreulicher ist Gewässer 2 welches gegenüber Gewässer 1 eine erhebliche Verbesserung darstellt. Hier klappt die Bewässerung so gut, dass sogar durchschnittlich 20-30cm Wasserstand vermeldet werden können!

 

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In Pillichsdorf erwartete mich dann eine echte Überraschung:

 

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Fast das gesamte Gewässer wurde gemäht und von Unterholz weitgehend befreit! Meine Anfrage beim Pillichsdorfer Bürgermeister wurde also tatsächlich in die Tat umgesetzt, worüber ich sehr froh bin. Bis zuletzt wusste ich nicht ob sie angekommen war, da ich keine Antwort auf mein E-Mail erhalten hatte. Nicht froh war ich jedoch über die verbliebenen Weiden und Weidenstümpfe, weshalb ich kurzerhand zur Motorsense griff und diesen auch noch den Gar ausmachte.

 

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Sollte die Witterung weiterhin derart günstig bleiben, erwarte ich erste Paarungsaktivitäten von Amphibien (ich wage nicht zu hoffen, dass es sich tatsächlich auch um Wechselkröten handelt) in den neuangelegten Gewässern im Jahr 2015 und natürlich auch eine sehr gute Fortpflanzungssaison für die Pillichsdorfer Amphibien (Rotbauchunke/Wechselkröte/usw.). Abgesehen von einer feuchten Witterung hoffe ich natürlich auch darauf, dass die Wasserstände in Pillichsdorf und im Gewässer 1 noch steigen, der Grundstein dafür wäre auf jeden Fall gelegt!

 

Zu guter Letzt möchte ich, der Vollständigkeit des Protokolls halber, noch erwähnen, dass die Preisverleihung des Gemeindechampionpreises sehr gut über die Bühne gegangen ist. Zwar ging das Projekt leer aus (jemand der bereits 40+ Gewässer angelegt hat war unter den anderen Nominierten, daher muss ich mich höchstwahrscheinlich nicht dafür schämen, nicht gewonnen zu haben)

 

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Gruppenfoto mit Nominierungsurkunde von links nach rechts:

Umweltgemeinderat Wolfgang Exler, BGM Ernst Bauer, Minister Andrä Rupprechter, ich; Johannes Hill


Dazu erschien übrigens auch ein Artikel in der Gemeindezeitung (falls das Interview etwas „eckig“ klingt: Ich und Wolfgang Exler haben das wirklich in letzter Minute zusammengeschnitten, da ich ja nicht in Niederösterreich, sondern in Wien wohne, war das „Live“-Interview natürlich auch nicht wirklich Live):

 

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Über den Autor

 

Maximilian JuhaszIch, Maximilian Juhasz, interessiere mich schon seit meiner Kindheit für die Natur, in den letzten Jahren fokussierte sich dies auf die Herpetologie und hier im Speziellen auf Amphibien. Besonders interessant sind für mich die "praktischen" Aspekte wie Populationsdynamik, Gewässerökologie usw. Derzeit bin ich 18 Jahre alt und studiere Agrarwissenschaften an der Universität für Bodenkultur in Wien.

 

Da meine Eltern ein altes Ferienhaus im südlichen Weinviertel in Schleinbach besitzen, ergab es sich, dass mir besonders die Amphibienarten des von Agrarflächen geprägten Flachlandes Nordostösterreichs ans Herz gewachsen sind. Während ich anfangs noch von einem "langweiligen Allerweltartenparadies" (Grasfrosch [Anm: Ja tatsächlich Grasfrosch], Erdkröte und Seefrosch) ausging, erkenne ich heute, dass es sich beim nordöstlichen Flachland Österreichs um ein Gebiet mit, herpetologisch gesehen, viel Potential und unerwarteter Vielfalt, jedoch auch um einen vielfach "vergessenen" Teil Österreichs, handelt. Mit diesem Projekt möchte ich einerseits versuchen das Interesse für das Weinviertel wieder anzuregen und andererseits natürlich am Meisten der Art helfen, die charakteristisch für das Weinviertel ist und heute vielfach nur noch eine sehr geringe Bestandsdichte, wenn auch weite Verbreitung aufweist: die Wechselkröte (Bufotes viridis).

 

Meine Interessen neben der Herpetologie/Biologie/Ökologie sind unter anderem Eigengewichttraining im Freien, Meteorologie (Niederschläge) und die Landwirtschaft.

 

 

 

-> Neue Tümpel für Kammmolche & Co