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Wolkersdorf ist eine Stadt im niederösterreichischen Weinviertel und ist mit dem Auto in knapp 30 Minuten, in nördlicher Richtung, von Wien erreichbar. Konkret geht es hier jedoch um die kleine Gemeinde Ulrichskirchen–Schleinbach die etwas westlich von Wolkersdorf liegt. Im Weinviertel, beeinflusst durch das pannonische Klimagebiet, liegen die mittleren Jahresniederschlagssummen um die 500 Millimeter, welche seit einigen Jahren (zu) oft unterschritten werden.

 

In der Umgebung von Wolkersdorf spielen daher Gartenteiche und Hochwasserschutzzonen (renaturierte Augebiete) eine sehr wichtige Rolle in der Verbreitung der Amphibien. Dadurch können sich Laubfrösche und viele andere Tiere bemerkenswert gut in dieser (fast) durch und durch Kulturlandschaft halten und/oder sogar ausbreiten. Eine Ausnahme bildet die Wechselkröte, die Pioniergewässer mit Flachwasserzonen und mäßigen bis gar keinen Pflanzenbewuchs bevorzugt.

 

Es existieren einige (Ex-)Schotterwerke die allerdings aufgrund des sehr geringen Niederschlages so gut wie keine Gewässer bieten. Dies allein war aber nicht ausschlaggebend. Ich selbst bin stolzer Besitzer eines Gartenteiches der im Pioniercharakter gehalten ist und habe in seiner, immerhin schon dreijährige Geschichte, noch keine einzige Wechselkröte dort erblickt, obwohl sie doch eigentlich so häufig sein sollten. Dies zeigte mir, wenn nicht bald etwas für diese Art getan, die Situation bald ähnlich wie in Deutschland aussehen wird, wo die Wechselkröte als "stark gefährdet" gilt und leider so gut wie nirgendwo mehr vorkommt. Die Notwendigkeit ein Wechselkrötenlaichgewässer anzulegen wurde mir erst im Jahr 2012 bewusst.

 

Karte kleinÜbersichtskarte mit bestehenden und dem neu angelegten Gewässer

 

Obwohl es unangenehm trocken war (knapp 300 mm Jahresniederschlag, etwa die Hälfte des Normalwertes) konnte ich, nach einem 30mm Regen, zumindest eine erfolgreiche Nachtexkursionunternehmen. Hierbei fiel wieder auf wie wenig geeignete Pioniergewässer eigentlich für Wechselkröten vorhanden sind. Dieses "ach so häufige" Amphib wird leider bei den Naturschutzbemühungen immer wieder übergangen, oft auch unterbewusst.

 

Über Hannes Hill kam ich mit Herrn Exler, dem Umweltstadtrat von Ulrichskirchen-Schleinbach, in Kontakt, der sich mit viel Hingabe über das Gebiet informierte und mir half den Pächter, auf dessen Besitz das Gewässer angelegt werden sollte, ausfindig zu machen. Herr Exler versprach, im Namen der Gemeinde, die Förderung (das Gebiet wird nur einmal im Jahr gemäht, dafür erhält der Landwirt EU-Umweltförderung) für die wenigen Quadratmeter, die das Gewässer beansprucht, zu finanzieren. Auch der Bürgermeister von Ulrichskirchen - Schleinbach, Herr Bauer, wurde über das Vorhaben informiert, zeigte sich sehr interessiert, führte klärende Gespräche mit dem Pächter und sagte zu das Gewässer im Herbst 2012 ausheben zu lassen. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass es sich bei dem Gewässer nicht um eine ab jetzt für immer bestehende „wirkliche“ Naturschutz-, sondern um eine temporäre Maßnahme handelt, die zur Verbesserung der Situation der Wechselkröte dient, aber vom Grundbesitzer jederzeit wieder entfernt werden kann.

 

Ich war angenehm überrascht als schon Mitte August, eine neue Grube angelegt worden war, vielleicht ein erster Schritt gegen das Aussterben der Wechselkröte in diesem Gebiet.

 

Die umliegende Habitate des neu angelegten Gewässers:

 

Aktuell befinden sich innerhalb von 10-13km Luftlinie immerhin zwei passende Gewässer: Das Retentionsbecken in Pillichsdorf, vermutlich das artenreichste Gewässer des südlichen Weinviertels  außerhalb der Auen. Das Retentionsbecken an der Autobahn wo wir interessanterweise ca. 20 Wechselkrötenmännchen aber keine Laubfrösche vernehmen konnten. Diese beiden Gewässer stellen also die Laichgewässer der am Nächsten gelegenen großen Population an Wechselkröten dar. Ironischerweise wurde ein Gewässer gegen Amphibien abgesichert.

   

Bild 2

"hermetisch" abgeriegeltes Erstauffangbecken 

Bild 3

Filterbecken mit freiem Zugang für Amphibien

 

Das einzige potentielle „Gewässer“ das noch näher liegt ist ca. 3km entfernt. 2012 war es mit Sicherheit trocken, es gab kein Wasser. Es könnte aber in feuchteren Jahren durchaus mit Wasser gefüllt sein und eine nur mehrjährig reproduzierende, kleine Wechselkrötenpopulation beherbergen. Ähnlich wie bei unserem Gewässer würde eine Vertiefung Sinn machen. 

 

Bild 4

Retentionsbecken in Kronberg im Sommer 2012, ein Becken mit viel Potential

 

 

Gebiete die wahrscheinlich großen Einfluss auf unser Gewässer haben

 

Der Hochwasserschutzraum Schleinbach: hier existiert eine große Laubfroschpopulation mit ca. 50 Rufern. Ich konnte im zeitigen Frühjahr erstaunlicherweise auch eine Wechselkröte hören. Dieses Gebiet wird von einer Straße vom neu angelegten Gewässer abgegrenzt, ist aber nachts zum Glück sehr wenig befahren. Dementsprechend gab es im 2012 wenig tote Amphibien. Im Jahr 2011 konnten tagsüber noch 4 Laubfroschmännchen im Schilf an der damaligen Senke (in welcher heute das neue Wechselkrötengewässer liegt) beobachtet werden, welche höchstwahrscheinlich von dort zugewandert sind.

 

Bild 5

offene Aulandschaft

Bild 6

optimal für Amphibien wie den Laubfrosch

Bild 7

gelegentlich etwas Wasser

Bild 8

Hauptgewässer durch dichten Schilfbewuchs

 

 

Der aufgelassene Ziegelofen: Er bietet vielen Wirbeltieren eine Vielzahl an Verstecken, so auch einer eventuellen Wechselkrötenpopulation. Der Ziegelofen wird nur durch einen Wander/Radweg von dem Gewässer abgetrennt und ist somit gut für Amphibien erreichbar.  

  

Bild 5

abbaubedingte "Ausmagerung" des Bodens

Bild 6

entsteht eine Steppenlandschaft

 

Alles in allem ist das Gewässer meiner Meinung nach genau an der richtigen Stelle angelegt worden. Für verschiedenste Amphibienarten, nicht nur Wechselkröten, bietet dieses Gebiet mit seinen zahlreichen Lebensräumen vielseitige Besiedlungsmöglichkeiten. Ich hoffe, dass sich das Gewässer gut füllt und bald auch eine ordentliche Wechselkrötenpopulation beherbergt von der aus sie sich in neu geschaffene Gartenteiche ausbreiten können und so vielleicht wieder zu einer großen Population "zusammenwachsen".

 

 

Status August 2012

 

Bild 14

geplantes "Gewässer" kurz nach dem Ausheben

 

 

Status September 2012

 

September 2012

 Schon im September ist das erste Wasser in der Grube 

  

 

Status Winter 2012/13

 

Winter 2012-13

 durch Verwehungen bis zu 40cm im Gewässer.

Trotzdem war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar ob sich das Gewässer füllen wird. 

 

   

Status März 2013

 

Nach der ersten Schneeschmelze, welche dieses Jahr besonders „reichhaltig“ ausfiel, durfte ich zu meiner Freude feststellen, dass das Gewässer sich gut mit dem Schmelzwasser gefüllt hatte.


Maerz 2013 Bild1

 

Doch nur eine Woche später erlebte ich eine böse Überraschung. Das Gewässer war bis auf einen kleinen Rest ausgetrocknet. Vermutlich ist der Boden des Gewässers nicht dicht genug, wodurch sich leider auch mein Verdacht bestätigte, dass das Wasser sich aus irgendeinem Grund nicht hält.


Maerz 2013 Bild2
Eine Weile war ich ziemlich "paralysiert" und wusste ehrlich gesagt nicht weiter, was die Sache anging. Ich begann sogar schon an meinem Vorgaben zu zweifeln..

 

Nach einiger Zeit des Stillstandes kam ich nun zu dem Entschluss, dass Selbstmitleid niemand weiterhilft und so überlegte ich mir vorerst eine Lösung. Ich beschloss das Gewässer mithilfe eines Baggers 20cm zu vertiefen und es danach mit einer 20cm dicken Lehmschicht auszukleiden, im Zuge dessen plante ich auch etwaige Unebenheiten bzw. den leicht abschüssigen Gewässerboden zu korrigieren. Das ganze sollte schon Ostern stattfinden, deshalb kontaktierte ich auch sofort meine Kontaktpersonen. Entscheidend war jedoch das Gespräch mit dem Bürgermeister.

 

Ich erfuhr, dass die Gemeinde, nichts mehr tun könne, da der Grundbesitz nicht von der Gemeinde gepachtet worden war, wie ich bisher annahm. Glücklicherweise konnte ich noch im Gemeindeamt mit dem Grundpächter über das Telefon des Bürgermeisters Kontakt aufnehmen. Dieser erteilte mir sofort die Erlaubnis, da das Gewässer und vor allem die Fläche durch diesen Plan nicht großartig verändert werden würde. 

 

Ich nahm Kontakt zu einer ortsansässigen Kiesgrube auf, ob nicht eventuell Lehm bei der Gewinnung anderer Rohstoffe anfallen würde, der auch verkäuflich sei. Am nächsten Tag musste ich leider erfahren, dass in der Gegend kaum Lehmadern vorhanden wären. Da mein erklärtes Ziel, die Osterferien, zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr fern waren, musste ich ein neues Konzept entwickeln. Mein Plan war es, das Gewässer in zwei ungleich große Teile durch einen Wall zu teilen. Der Wall sollte aus dem Aushub gebildet werden und so hoch sein, dass die Wasserstelle bei bester Füllung gerade noch verbunden wäre.

 

Ich plante den kleineren Teil des Gewässers mit einer Teichfolie auszukleiden und davor noch den gesamten Teich mit einer Rüttelplatte zu verdichten. Sollte durch dies Maßnahme eine Abdichtung gewährleistet werden, würde die Teichfolie wieder entfernt werden und so ein natürliches Gewässer geschaffen. Ende März 2013 wurde dieser Plan, mithilfe meines 73-jährigen Großvaters (an dieser Stelle sei ihm besonders gedankt), in die Tat umgesetzt. 

 

Bild-5 

mit Großvaters Unterstützung wurde der Gewässerboden angeglichen und ein Wall errichtet

 

Bild-6

durch den Wall geteilte Gewässergrube

 

Bild-7

Rüttelplatte zum Verdichen des durchlässigen Bodens

 

Schlussendlich haben wir zumindest das Gewässer vertieft und geteilt (es war leider nicht mehr möglich zu verdichten, wie man anhand der Bilder oben erkennen kann ist zuviel Schmelzwasser eingedrungen) Sollte das Wasser nun wieder versickern (wie zu erwarten) bleibt uns nichts anderes übrig als die Arbeiten im Sommer (bei totaler Trockenheit) fortzusetzen. Damit wäre dieses Jahr aber natürlich, mehr oder weniger, verloren. Dennoch, glaube ich dass wir trotzdem einiges weitergebracht haben.

 

Status Juli/August 2013

  

Viel Zeit ist vergangen seit dem letzten Update, dies kommt daher, dass sich bisher einfach noch nicht so viel rund ums Gewässer getan hat. Verdichten bzw. Abdichten mussten wir bis auf weiteres aufschieben, da das „Jahrhunderthochwasser“ im heurigen Juni auch bei uns zu stärkeren und häufigeren Niederschlägen geführt hat, die jedoch kein Hochwasser verursacht haben. Wir (ich und mein Großvater) hofften nun das Gewässer in dieser nun schon länger andauernden Trockenphase zu vollenden. Ein großes Problem für Arbeiten am Gewässer sind Gewitter, da sich das Gewässer durch die kurzen, kräftigen Niederschläge gänzlich füllt und dann wieder einige Zeit braucht bis es komplett austrocknet (auch der Bodenschlamm muss zwecks Verdichtung so trocken wie möglich sein).

 

Manch einer wird sich jetzt sicher fragen wozu man denn überhaupt verdichten muss, wenn sich die Grube ohnehin füllt, dies hat einen ganz einfachen Grund: Das Frühjahr ist ungünstiger Weise die trockenste Jahreszeit im Pannonischen Klima (zumindest im langjährigen Mittel), dicht gefolgt vom Winter, wohingegen der Sommer, durch seine häufigeren Gewitter mit Starkniederschlägen, am vergleichsweise feuchtesten ist. Das bedeutet das im Winter/Frühjahr, aufgrund der geringeren Niederschläge welche im Gegenzug, nicht nur über wenige Minuten, sondern über mehrere Stunden verteilt fallen, jeder kleine Niederschlag so gut wie möglich genützt werden muss, selbst wenn er das Gewässer nur um 1cm auffüllt. Da im Winter bekanntlich eher weniger Wasser verdunstet, kommt der Verlust beinahe nur durch versickern zustande, welches ich durch das Verdichten bzw. das Abdichten mit einer Folie hoffentlich verhindern kann.

 

Eine gute Nachricht gab es jedoch:

Vor 3 Wochen hielt ich vor dem Gemeinderat eine Präsentation, in welcher ich die Anlage von 5 weiteren Gewässern geplant habe. Bisher hab ich zwar noch keine Ergebnisse, jedoch zeigten sich der Bürgermeister und der Vize- Bürgermeister gesprächsbereit. Sicher ist leider noch nichts. Ich zeige mich aber hoffnungsvoll, dass die Wechselkröte in Zukunft vielleicht wieder häufig wird. Hier zwei Bilder vom Juni, welche das Gewässer nach Starkniederschlägen zeigen:

   

Bild-1

Bild-2

 

Fast hätte ich es vergessen:

Eine weitere sehr erfreuliche Nachricht bis zu diesem Zeitpunkt war der Fund von Kaulquappen auf einem überfluteten in ca. 1km Entfernung zum Gewässer befindlichen Feld, welche höchstwahrscheinlich von Wechselkröten stammten. Auch einige Laubfrösche siedelten sich dort anscheinend spontan an. Der zuständige Landwirt wird nächstes Jahr höchstwahrscheinlich die Drainage erneuern. Eine Chance für unser Gewässer?

 

Bild-3

 überflutetes Feld als Habitat

 

Am Freitag den 26.Juli war es dann soweit, endlich war die Zeit des Verdichtens gekommen! Nur ein Tag zuvor, drohte noch das gesamte Vorhaben wiederum herausgezögert zu werden, als eine Gewitterfront nur einige Kilometer entfernt zu Starkniederschlägen und kleinräumigen Überflutungen führte. Bevor aber überhaupt verdichtet werden konnte musste zuerst das Schilf händisch gemäht werden und das bei über 35°C.

 

Bild-4

vor der Schilfmahd

Bild-5

nach der Schilfmahd

 

Nachdem die Mahd abgeschlossen und alle Reste des Schilfs entfernt waren, konnte am nächsten Morgen endlich das Gerät meiner Begierde, ein Verdichter, ausgeborgt werden. Da die Rüttelplatte, sowohl mich als auch meinem Großvater, unter Berücksichtigung der schwierigen Verhältnisse, nicht überzeugen konnte, fiel unsere Wahl auf einen Rüttelstampfer:

 

Bild-7

Dann konnte es endlich losgehen!

 

Bild-8

Verdichten.....

Bild-9

....eine staubige Angelegenheit

 

Bild-10

Nach der extrem anstrengenden Arbeit und literweise Trinkwasser sah das Ganze dann so aus

 

Als nächstes musste die Folie aus dem naheliegenden Bauhaus gekauft und geholt werden. Da das kleine Gewässer ohnehin ebenfalls verdichtet wurde, sind einige Löcher in der Folie wahrscheinlich kein Problem, daher kauften wir die billigste PVC-0,5mm Folie. Erst mit dem Kauf der Folie wurde uns das Ausmaß des kleinen Foliengewässers bewusst, wir benötigten insgesamt eine Folie von 4x5m, welche sich auch beinahe ohne Falten in das Gewässer legte (Meine Gartenteiche hab ich seinerzeit nicht so gut hinbekommen). Nachdem wir die Folie zurechtgeschnitten hatten, bedeckten wir sie nach und nach mit Erdaushub. Nach mehreren Stunden Arbeit war das Gewässer nun endlich fertig. Man darf also auf das nächste Frühjahr gespannt sein! 

 

Bild-11

nach dem Verlegen der Folie

Bild 14

wurde diese mit dem Aushub bedeckt

 

Status September 2013

 

Jetzt ist es September und ein weiteres Amphibienjahr neigt sich dem Ende zu. Es gibt wie bei jedem Update natürlich wieder viele neue Ereignisse. Aber der Reihe nach:


Unser Gewässer hat im letzten Monat einige Höhen und Tiefen erlebt, im wahrsten Sinne des Wortes. Während es von Mitte Juli bis ca. 22. August staubtrocken war, bescherte uns die letzte Augustwoche gigantische Regenmengen (laut meinen Messungen fiel die durchschnittliche Menge für August in dieser Woche). Dementsprechend war meine Laune natürlich im Keller, umso besser wurde sie jedoch, als ich mich trotz Regen freiwillig hinauswagte, um das Gewässer zu besichtigen:
Sprichwörtlich gesagt, es war „bummvoll":

 

Bild 01

 

Drei Wochen später, nach doch recht wechselhaftem Wetter, sah das Ganze dann so aus:

 

Bild 02

 

Ich bin mir leider nicht sicher, ob das Gewässer zwischenzeitlich nicht doch (aufgrund von Verdunstung/teilweise auch Versickern) ausgetrocknet ist, jedoch fanden sich bereits erste Kleinlebewesen im/am Gewässer (u.A. Libellen, Mückenlarven, Wasserwanzen usw.).

 

Nur wenige Tage vor dem großen Regen ereilte mich jedoch eine andere Nachricht: Zwei der fünf Gewässer in den Retentionsbecken sind auf jeden Fall möglich und ich kann jederzeit mit den „Probegrabungen“ anfangen! Wie man bereits bei Gewässer 1 gesehen hat, sind solche Probegrabungen extrem wichtig, um sich später eine Menge Arbeit zu ersparen. Dadurch will ich unter Anderem „Daten“ über Bodendichte, Wasservorkommen usw. erhalten, damit ich später so genau wie möglich sagen kann, was gemacht werden muss. Mit Gewässer 2, dem zu Beginn des Artikels erwähnten, möglichen Wechselkrötengewässer, konnte ich bereits während der Regenperiode alleine beginnen, da ich erstens aufgrund der Schulferien sehr viel Zeit hatte und zweitens der Umfang der Arbeit generell nicht so groß war. Geplant war folgendes - eine 30cm tiefe Stelle für das Probegewässer und ein 10cm tiefer Graben für die bessere Wasserleitung zum Gewässer.

 

Bild 04

Die schraffierten Bereiche sollten jeweils um 10 bzw. 30cm vertieft werden.

 

So weit der Plan. Zu Beginn grub ich die „Wasserleitung“, welche ich jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht für wirklich wichtig erachtete. Nachdem der Graben provisorisch fertig war, machte ich mich zur Abwechslung daran, die Gewässermulde auszuheben. Kurz darauf setzte (relativ starker) Regen ein. Nach ca. einer Stunde sah das Ganze dann so aus:

 

Bild 05

 

Ich entschloss mich nun wieder an dem Wassergraben weiterzuarbeiten, doch zu meiner Überraschung sah es fast so aus, als hätte sich ein Bach entschlossen durch das Retentionsbecken zu rinnen:

 

Bild 06

Bild 08

 

Natürlich machte ich mich nun schleunigst daran das Probegewässer fertig zu stellen. Ehe ich mich versah, begann schon das erste Wasser den Boden des Gewässers zu bedecken.

 

Bild 07

Bild 09

 

Ein paar Stunden später war an Arbeit nicht mehr zu denken (zumindest im tieferen Teil).

 

Bild 10

 

Aufgrund der gewaltigen Wassermengen, welche schon bei vergleichsweise „wenig“ Regen durch den Graben strömten, entschloss ich mich den Graben, den Gemeindearbeitern zu Liebe, welche das Gewässer mit schwerem Gerät mähen, praktischer anzulegen. Am Ende der Arbeiten sah das Ganze dann so aus:

 

Bild 11

Bild 12

 

So groß die Freude über dieses Wasserwunder auch war, nur eine Woche später war alles wieder weg... Zu allem Überfluss vergaß ich auch sowohl Handy als auch Kamera, daher gibt es davon leider keine Bilder. Auch hier muss man in Zukunft noch sehen, was sich machen lässt. Das Gewässer nicht zu nützen kommt für mich schon allein aufgrund der Wassermengen nicht infrage, am Besten wäre wohl eine Lösung wie bei Gewässer 1. Auch hier wird man sich also gedulden müssen.

 

Auch die Arbeiten an Gewässer 3 haben schon begonnen, konnten jedoch leider noch nicht gänzlich fertiggestellt werden. Ich werde, sobald es mir möglich ist, weiterarbeiten und erst nach Fertigstellung ein neues Update bringen. Zum Schluss noch eine sehr gute Nachricht: Die ÖGH möchte mein Projekt mit 400€ unterstützen! Hier natürlich herzlichen Dank an die Gesellschaft und den Vorstand, von dem Geld könnte unter anderem eine Motorsense für die bessere Pflege der Gewässer gekauft werden.

 

Status November 2013

 

Nachdem die letzten beiden Updates wirklich groß waren möchte ich mich in diesem kurz halten.

 

Ich hatte ursprünglich geplant, vor Kurzem das Gewässer 3 fertigzustellen. Dies konnte ich jedoch ohnehin nicht beenden, da ich zuerst die wichtigere Aufgabe innehatte, das größere Retentionsbecken in Pillichsdorf zu mähen, welches inzwischen bereits mehr oder weniger unbrauchbar für Wechselkröten geworden war. Dabei hatte ich auch die Gelegenheit meine neue Motorsense zu testen. Glücklicherweise wurde sie erst kaputt, als ich bereits mehr oder weniger die Hälfte des Gewässers von Unterholz befreit hatte. Man wird sehen inwieweit diese repariert wird, eigentlich müsste es sich um einen Garantiefall handeln.

 

Abgesehen davon werde ich wohl meine Ideen für die beiden neuen Gewässer nach den aktuellsten Erkenntnissen ein wenig ändern müssen. Bei Gewässer 2 beispielsweise fehlt die Sonneneinstrahlung an dem derzeit geplanten Platz, auch bei Gewässer 3 scheint es noch einige Verbesserungsmöglichkeiten zu geben. Was bereits jetzt feststeht ist, dass beide neuen Gewässer ca. 40cm tief ausgebaggert werden müssen, um einen Wasserstand von 30cm und ein dementsprechendes Wasservolumen (? Verdunstung, Crowding Effekt) gewährleisten zu können.

 

Hier noch einige aktuelle Bilder zu Gewässer 1 (der niedrige Wasserstand macht mir keine Sorgen, da derzeit selbst das Vorzeigegewässer schlechthin, das Retentionsbecken Pillichsdorf, trocken liegt, außerdem scheint sich bereits der Boden zu verdichten):

 

Bild 1

 

Bild 2

 

Bild 3

 

 

Status Dezember 2013

 

Zum Saisonende ein letztes Update für dieses Jahr. Am 7.12.2013 haben Wolfgang (Don Hister), mein Vater und ich das Probegewässer in Kronberg fertiggestellt. Wir konzentrierten uns hauptsächlich auf das Verbreitern des Wassergrabens, welcher auch das Endgewässer speisen soll (allerdings überlege ich bereits, bei erneutem starken Zuwachsen des Wassergrabens, Halbschalen bzw. ein Rohr zu verlegen), und das Ausheben eines neuen Testgewässers im höhergelegenen Teil des Beckens.

 

Manch einer wird sich jetzt sicher fragen, weshalb man im höhergelegenen Teil ein Gewässer anlegen will. Dies hat jedoch bei genauerer Überlegung einige Vorteile. Bei dem ursprünglich geplanten Platz fehlt nämlich die Besonnung, außerdem, wie weiter oben im „Blog“ erwähnt, scheint sich das Wasser in diesem tiefergelegenen Teil nicht sonderlich gut zu halten. Dies lässt sich vor allem am fehlenden Schilf feststellen. An Wasser wird es nicht mangeln, vorausgesetzt, die Niederschläge sind durchschnittlichen, ausreichend Wasserführung in den Gräben und geringe Versickerung. Denkt man aber an starke Regenfälle, wofür diese Becken auch ausgelegt sind, wird das Wasser wohl eher aus dem zu kleinen Wassergraben „ausbrechen“ und das mitgeführte Substrat im tiefergelegenen Teil des Beckens ablagern. Ähnliches habe ich bereits dem Bürgermeister von Ulrichskirchen-Schleinbach per E-Mail mitgeteilt.

 

Bild 1

Bild 2

Links das alte, rechts das neue Gewässer (man beachte den Wassergraben, den wir nicht neu ausgegraben haben
und welcher mittlerweile wieder zugewachsen ist).

 

Bild 3

Grafik zur besseren Vorstellung.

 

Zu guter Letzt noch die momentane Situation von Gewässer 1:

 

Bild 4

 

Bild 5

 

Status Februar 2014

 

Nun neigt sich dieser (zumindest theoretische) Winter auch schon wieder dem Ende zu und es ist Zeit für ein neues Update. In den letzten Wochen habe ich es nun endlich geschafft, mit Wolfgang und meinem Vater das Retentionsbecken in Schleinbach endgültig mit Gräben zur besseren Wassereinleitung zu versehen. Insgesamt mussten in dem Becken über 100m (!) Bewässerungsgräben für das spätere Gewässer gegraben werden, was uns einiges an Kraft und Schweiß abverlangte, aber das Ergebnis lässt sich sehen. Nun kommt es nur noch darauf an, ob bei ergiebigen Niederschlägen genug Wasser von den umliegenden Feldern und Wegen in das Becken fließt und wie sich der Bach, der weiter oben in den Fischteichen versickert, bei starkem Regen verhält.

 

 

Bild 1

Retentionsbecken mit Bewässerungsgräben.

 

Bild 2

Mündung der Gräben ins Testgewässer, von uns liebevoll „Zweistromland“ getauft.

 Bild 3

Links: der Graben für das Oberflächenwasser

am oberen Beckenzufluß,

rechts: der Graben für den, eventuell durchfließenden, Bach


Das Einzugsgebiet der Gewässer:

Bild 4

 

Bild 5

 

Bild 6

Die Größe lässt auf viel Zustrom hoffen.

  

Bild 7Retentionsbecken – Überblick.

 

Bild 8

Im Sommer in der Präsentation vor dem Gemeinderat gezeigter Plan, wobei der rechte kleine Graben nicht gegraben wird und die Größe des Endgewässers (geplant: 5m x 5m x ca. 0.4m) vermutlich noch verhandelt werden muss. Außerdem wird etwas außerhalb noch ein Foliengewässer (2m x 2m x ?m) essentiell sein.

 


Abgesehen davon werden jetzt vermutlich viele Leser daran denken, dass es ja bereits ein Gewässer gibt, doch hier kann ich leider nicht mit (Teil-) Erfolgen aufwarten. Der gesamte Winter war mehr oder minder niederschlagslos, wobei wir wieder mal bei einem „perfekten“ Frühjahrsstart wären. Auch in den kommenden Wochen soll die Alpennordseite weiterhin zu trocken für die Jahreszeit sein, wobei es zwar zu früh wäre, die Fortpflanzungssaison ganz abzuhaken, jedoch sollten die Erwartungen nicht mehr allzu hochgesteckt werden, wenn den gesamten Winter lang der Wasserstand des nahen Baches unter dem Mittelwasser bleibt und die Gesamtschneesumme unter 5cm beträgt.

 

 

Bild 9

Dem „Foliengott“ sei Dank!

 

Bild 10

Ein Bild, das dieses Jahr wohl vielerorts zu sehen ist/sein wird.

 

 

Status Mai 2014

 

Lang ist es her seit dem letzten Update, und das obwohl bereits lange Frühling/Frühsommer ist. Woran liegt das? Ganz einfach, bis letzte Woche war es staubtrocken, doch in den letzten zwei Wochen zeichnete sich zumindest eine teilweise Entspannung der Trockenheit ab. Durch Regenschauer und Gewitter kratzten die Wetterstation Wolkersdorf und mein kleiner Regenmesser immerhin an der 30l Marke, wobei der Niederschlag, für Oberflächengewässer günstig, innerhalb weniger Stunden fiel. Also beendete ich meine „Trockenruhe“ und beschloss Gewässer 1 zu besichtigen. Zugegeben, die Aufregung war groß als ich in Schleinbach aus dem Zug stieg und Richtung Gewässer marschierte, doch bereits auf dem Hinweg gab es „gute“ Vorzeichen.

 

Bild 1

Bild 2

 Man beachte die deutlichen Feinsedimentablagerungen sowie die Spuren des Wassers.

 

Umso mehr wuchs die Hoffnung auf ein gefülltes Gewässer -- und tatsächlich:

 Bild 3

Die starke Schaumentwicklung lässt auf eine sehr rasche Füllung des Gewässers schließen.

 

Hier noch ein einige weitere Bilder, die das Ausmaß des starken Regens auf den für die Jahreszeit extrem trockenen Boden zeigen:

 

Bild 4

Bild 5

 

Die Materialablagerungen waren, so kommt mir zumindest vor, bei diesem Gewässer zwar geringer, dennoch wird man erst sobald das Gewässer wieder trocken ist (spätestens im Sommer ist dies sehr wahrscheinlich) das Ausmaß der Einschwemmung von Substrat abschätzen können.

 

Die folgenden Bilder entstanden unmittelbar bevor ich eine sehr erfolgreiche Nachtexkursion unternahm, bei der ich jedoch am Gewässer noch nichts feststellen konnte. Doch dann kam der 30. April, der ab jetzt meiner Meinung nach Feiertag sein sollte. Zunächst einige Bilder vom Gewässer, der Schaum hat sich gesetzt, auch wenn immer noch viel Material, vor allem im Folienteich, herumschwimmt, und der Wasserstand ein wenig gesunken ist.

 

Bild 6

Bild 7

 

Nun, ich möchte keinem mehr etwas vorenthalten, bei der nächtlichen Gewässerinspektion drang ein verdächtiges „Äpp...Äpp...Äpp“ an mein Ohr und tatsächlich in dem Gewässer saßen zwei Laubfroschmännchen! Hier das, zugegeben sehr schlechte, Beweisbild (das zweite Männchen habe ich nicht gefunden, lediglich gehört):

 

Bild 8

 

Es gibt jedoch noch weitere gute Nachrichten. Der Bürgermeister von Ulrichskirchen-Schleinbach antwortete mir auf meine E-Mail in welcher ich einerseits um einen Termin bat, andererseits fragte, ob es möglich wäre die Gewässer 2 und 3 in den Regenrückhaltebecken zu verdichten oder eine Folie zu verlegen. Auf beide Fragen bekam ich eine positive Rückmeldung, geplant ist ein Treffen bereits am 5.5., bei welchem ich dem Bürgermeister mein Konzept für Gewässer 2 und 3 vorlegen werde, wobei zumindest das Gewässer 3 in Schleinbach doch recht stark von dem ursprünglichen Plan abweicht.

 

Bild 9 neu

 

Diese starke Abweichung von meinem ursprünglichen Plan ergibt sich aus der Tatsache, dass bei Starkregen sehr viel Wasser und vor allem Substrat in das Becken fließt, wie man bei meiner Visite recht unschwer erkennen konnte:

 

Bild 10

Bild 11

 Die Grasnarbe auf dem rechten Bild wurde durch die Wucht des Wassers, welches hier in einem
geschätzten 3m breiten Strom heruntergekommen ist, komplett eingerollt.

 

Das erste Viertel der Bewässerungsgräben ist von der Flut kaum betroffen, doch je weiter man Richtung Beckenabfluss kommt, desto stärker wird die Zerstörung durch die natürliche Gewalt...

 

Bild 12

 Die ersten Anzeichen sind "Staudämme“ aus an- bzw. ausgeschwemmtem

Material, dahinter ist der Graben allerdings intakt.

 

Bild 13

Bild 14

rechts: Bereits an dieser Stelle ist klar, dass in diesem Bereich eine dauerhafte Vertiefung unmöglich ist.

 

Bild 15

Bild 16

Rechtes Bild: Das "Testgewässer" hat seinen Zweck erfüllt...

 

Bild 17

Allein die Höhe des abgelagerten Materials zeigt welche gigantischen Wassermassen dieses Becken erst bei

einem 100-jährlichen Ereignis zu bewältigen hätte.

 

Dies wurde nur durch ein mehr oder minder normales Gewitter auf trockenem Boden ausgelöst, es zeigt sich also, dass man hier teilweise sogar vor dem Wasser „flüchten“ muss. Der Standort oben hat auch den Vorteil, dass wesentlich weniger Material von dem Wasser mittransportiert wird, da der Zulauf am oberen Rand des Beckens hauptsächlich von einem Waldweg gespeist wird. Auch ein
Bach den ich schon weiter oben im Artikel erwähnt habe, der die Fischteiche entwässert, floss bei meiner ersten Besichtigung noch munter durch den Bewässerungsgraben (auch hier ist die Bildqualität leider suboptimal; es war jedoch schon recht spät und ich wusste, dass der Bach am nächsten Tag eventuell schon wieder versiegt sein könnte).

 

Bild 18

 

Man sieht also es geht voran, vielleicht kann ich in einem der nächsten Updates ja schon von dem Bau der Gewässer 2+3 berichten!

 

Status September 2014

 

Endlich ist es wieder soweit für ein neues Statusupdate! Vorab möchte ich mich dafür entschuldigen, dass eine so lange Zeit vergangen ist, da ich jedoch in den Sommerferien all meine Kapazitäten auf die Vorwissenschaftliche Arbeit richten musste finde ich erst jetzt genug Zeit und Ruhe um dieses, wie ich meine sehr wichtige, Update zu verfassen. In den letzten Monaten ist viel Positives rund um die Wechselkrötengewässer passiert, aber der Reihe nach:

 

Nachdem der starke Regen den abgedichteten Teil von Gewässer 1 ja mehr oder weniger zugeschüttet hatte, im Nachhinein bereue ich es ein wenig das Foliengewässer an dieser Stelle errichtet zu haben, da von dieser Seite offenbar mehr Wasser ins Gewässer strömt, beschloss ich kurzerhand das Foliengewässer wieder etwas auszugraben und dabei auch gleich einen Schilfschnitt durchzuführen.

  

Bild 1

Bild 2

 

Nach dem nächsten Regen sah das Ganze dann so aus:

Bild 3

 

Der nicht abgedichtete Teil des Gewässers, der mittlerweile wieder so aussieht wie vor der Schilfmahd (ächz), verliert auch derzeit sehr schnell Wasser, was wohl an dem extrem aufgesprungenen Untergrund und dem Pflanzenwuchs liegt. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Spalten bis nächstes Frühjahr wieder geschlossen haben und das Gewässer ausreichend  Wasser führen kann. Geplant ist derzeit nur eine Schilfmahd im Spätherbst, eventuell werde ich da aber die Grasnarbe am Rand des Gewässers auch etwas auflockern und etwas Substrat entfernen. Genug von Gewässer 1, kommen wir zu Gewässer 2, welches im Juli tatsächlich ausgebaggert wurde! Die Eckdaten des Gewässers sind in etwa 5x5x0,4m (hxbxt). Gewässer 2 liegt wie mehrfach erwähnt in einem Schleinbacher Retentionsbecken, welches oben schon ausgiebig gezeigt wurde.

 

Hier einige Bilder vom Arbeitsprozess:

Bild 4

 Als ich auf der Baustelle eintraf sah das Ganze bereits so aus

Bild 5

 Über diese Rinne soll das überlaufende Wasser der Fischteiche in das Gewässer gelangen
Bild 6
Zur Abwechslung einmal schweres Arbeitsgerät.
An dieser Stelle sei dem Gemeindearbeiter für die gute Zusammenarbeit gedankt!
Bild 7

Bild 8

Bild 9

Langsam aber sicher wird’s was

 

Als nächstes wird noch eine kleine Grube für das Foliengewässer ausgehoben: 

Bild 10

Bild 11

 

Nachdem die groben Arbeiten erledigt waren, wurde es Zeit für einen Feinschliff durch mich und meinen Großvater, dem ich wiedermal über alle Maßen dankbar bin. So sah das Gewässer vor dem Feinschliff aus: 

 

Bild 12

 

Zunächst musste ich den Lauf eines älteren Wassergrabens leicht umändern, damit das Oberflächenwasser ebenfalls seinen Weg ins Gewässer finden kann. 

 

Bild 13

Kleines „Auffangbecken: Im Vordergrund kann man die Verlängerung des Überlaufs der Fischteiche erkennen,

rechts im Bild sieht man den Graben für das Oberflächenwasser


Der nächste Schritt war dann die Verdichtung des Gewässers, der Uferwälle und des Bewässerungsgrabens um eine optimale Wasserführung sicherzustellen. Vor den Verdichtungsarbeiten konnte ich bereits den ersten, etwas voreiligen, Gesellen retten, der höchstwahrscheinlich nachts in den Bewässerungsgraben gefallen ist und sich dann in der Hitze des Tages nicht mehr aus Selbigem befreien konnte.

 

Bild 14

Bild 15


Nach der anstrengenden Verdichtungsarbeit sah das Ganze dann so aus: 

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Zu guter Letzt fuhren wir zum Bauhaus um dort Teichfolie zu kaufen, welche wir dann auch prompt verlegten.

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Den Rest der Folie verlegten wir direkt ins Gewässer, nur kurze Zeit später erkannte ich jedoch diesen unangenehmen Fehler... 

Das Foliengewässer wurde mit Substrat bedeckt

 

Daraufhin war ich froh, denn der Bau des Gewässers, in Kombination mit meiner schulischen Arbeit, war für mich relativ kräfteraubend. Jedoch musste ich nach dem nächsten Gewitterregen feststellen, dass ein „Damm" des Gewässers stark ausgewaschen worden war. Die Lösung lag darin den (mittlerweile unter Wasser und Schlamm liegenden Folienteil im Gewässer zu entfernen und zur Stabilisation auf den Damm zu legen. Von dieser extrem dreckigen und anstrengenden Arbeit habe ich leider nur wenige Bilder (sowohl von davor als auch von danach):

  

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Hinter dem Gewässer zeugen Wasserrinnen von der

Kraft des Wassers

So sah das Ganze nach der Arbeit aus: auf dem hinteren Wall erkennt man doch recht deutlich die Folie, außerdem befindet sich hier schon das erste Wasser im Gewässer!

 

In darauffolgenden Wochen kam ich aufgrund von Geburtstagen, Verwandtenbesuch usw. nur noch einmal nachts zu der Grube um sie nach der langen, regnerischen Periode zu überprüfen. Als ich hinkam war das Gewässer zum Bersten gefüllt, der Ablauf über die Folie funktionierte glücklicherweise ohne ein Auswaschen des Damms und sogar der Fischteichüberlauf lieferte Wasser! Rund um das Gewässer sah ich einige Erdkröten und Springfrösche, welche von dem doch recht feuchten Sommer sicher profitiert haben. Bleibt zu hoffen, dass es bereits nächstes Jahr erste Fortpflanzungserfolge in diesem sehr vielversprechenden aussehenden Tümpel gibt. Für meine Vorwissenschaftliche Arbeit musste ich jedoch auch bereits bestehende Wasseransammlungen der unterschiedlichsten Art dokumentieren und fotografieren, daher machte ich mich zu dem besten Gewässer auf, welches ich in dieser Region kenne. Als ich ankam musste ich zu meinem Leidwesen feststellen, dass dieses leider seit meinen kleineren Pflegeversuchen nicht mehr gepflegt wurde und die Sukzession bereits weit vorangeschritten war: 

 

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Da dieses Gewässer neben Wechselkröten, Erdkröten, Springfröschen und Laubfröschen, auch eines der letzten Rotbauchunkenvorkommen des Weinviertels ohne der Augebiete beherbergt und obendrein von Johannes Hill auch der Ruf der Knoblauchkröte dort vernommen worden war, wusste ich das etwas gegen die Vegetation getan werden muss. Ich entschloss mich den Bürgermeister von Pillichsdorf aufzusuchen und diesen um eine Erlaubnis zur Pflege zu bitten, welche ich auch problemlos erhielt. Nach ca. 6h durchgehender Arbeit, größtenteils alleine, der Umweltgemeinderat Wolfgang Exler war mir dennoch eine große Hilfe, sah das Becken dann ungefähr so aus:

 

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Besonders schwierig machte die Arbeit vor allem das Vorkommen von Weiden welche bereits gut 10m² des Beckens bedeckten und nur mühsam (oberflächlich) entfernt werden konnten. Das Gewässer existierte, zu meiner Überraschung in nicht kleiner Ausdehnung noch, jedoch war es wie man oben erkennt derart verwachsen, dass kein Erkennen möglich war. Es war aber nicht alles mühsam: Traumhaft fand ich die immer wieder weghuschenden jungen Zauneidechsen, den Sommerruf eines Laubfrosches und die überhaupt nicht gestresste „Aufsicht" durch eine Rotbauchunke, welche seelenruhig neben mir im Wasser hing. Nebenbei schwammen in dem Gewässer auch einige junge Kaulquappen die nur von Rotbauchunken stammen konnten.

 

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ein spontaner Schnappschuss mit dem Handy

Erwachsene Zauneidechse im Umfeld des Gewässers


Obwohl ich ein (teilweises) Ausbaggern des Gewässers zuerst nicht für nötig hielt bin ich jetzt der Meinung, dass es durchaus sehr nützlich wäre, wenn die Wurzelstöcke der Weiden wieder gänzlich entfernt werden könnten. Ich habe dem Bürgermeister zu diesem Thema bereits ein Mail geschrieben, jedoch bekam ich bisher noch keine Antwort. Im Spätherbst plane ich das noch nachwachsende Schilf und das noch bestehende Schilf gänzlich zu mähen um darauffolgenden Frühjahr wieder eine ergiebige Laichsaison zu ermöglichen.


Zu guter Letzt möchte ich noch eine sehr gute Nachricht verkünden: Ich wurde im Laufe des Sommers von Wolfgang Exler zum „vielfaltleben-Champion" Bewerb angemeldet und bin mittlerweile sogar nominiert! Ich danke nochmals all meinen Helfern, Unterstützern und Sponsoren, auch wenn ich nicht jeden einladen kann (nur 5 Plätze kann ich vergeben) bin ich doch jedem einzelnen dankbar.


Link zum Preis: http://naturschutzbund.at/2014/articles/vielfaltleben-champion.html

  

Über den Autor

 

Maximilian JuhaszIch, Maximilian Juhasz, interessiere mich schon seit meiner Kindheit für die Natur, in den letzten Jahren fokussierte sich dies auf die Herpetologie und hier im Speziellen auf Amphibien. Besonders interessant sind für mich die "praktischen" Aspekte wie Populationsdynamik, Gewässerökologie usw. Derzeit bin ich 17 1/2 Jahre alt und stehe kurz vor meiner Matura in einem Gymnasium in Wien 17.

 

Da meine Eltern ein altes Ferienhaus im südlichen Weinviertel in Schleinbach besitzen, ergab es sich, dass mir besonders die Amphibienarten des von Agrarflächen geprägten Flachlandes Nordostösterreichs ans Herz gewachsen sind. Während ich anfangs noch von einem "langweiligen Allerweltartenparadies" (Grasfrosch [Anm: Ja tatsächlich Grasfrosch], Erdkröte und Springfrosch) ausging, erkenne ich heute, dass es sich beim nordöstlichen Flachland Österreichs um ein Gebiet mit, herpetologisch gesehen, viel Potential und unerwarteter Vielfalt, jedoch auch um einen vielfach "vergessenen" Teil Österreichs, handelt. Mit diesem Projekt möchte ich einerseits versuchen das Interesse für das Weinviertel wieder anzuregen und andererseits natürlich am Meisten der Art helfen, die charakteristisch für das Weinviertel ist und heute vielfach nur noch eine sehr geringe Bestandsdichte, wenn auch weite Verbreitung aufweist: die Wechselkröte (Bufotes viridis).

 

Meine Interessen neben der Herpetologie/Biologie/Ökologie sind unter anderem Eigengewichttraining im Freien, Meteorologie (Niederschläge) und die Landwirtschaft.

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Tümpel für Kammmolche & Co