Freitag 18.4.2008 - Murcia

 

Unser heutiger Ausflug sollte uns nach Murcia führen, die östliche Nachbarprovinz von Andalusien. Dazu mussten wir aber erst einmal durch die Gegend von Almeria. Man hat ja schon von den großen Glashausflächen dort gehört, aber diese in Realität zu sehen, war für uns erschreckend. Wir durchfuhren ca. 60 km lang eine Landschaft die lückenlos mit Plastikfolien abgedeckt ist. Soweit das Auge reicht, sahen wir nur Plastik, dazwischen ein paar Zisternen zur Bewässerung. Wenn wir in der Werbung wieder die glücklichen Leute von hier singen hören, wissen wir nun, wie es hier wirklich aussieht. Wir durchquerten dieses Gebiet möglichst rasch und erreichten eine interessante Fundstelle in der Gegend von Lorca. Die Landschaft war eine trockene Steppe, aber trotz ihrer Wüstenhaftigkeit wesentlich ansprechender als das, was wir bei Almeria sehen mussten.


Hier fanden wir beide Sandläuferarten: den Algerischen Sandläufer (Psammodromus algirus) und den Spanischen Sandläufer (Psammodromus hispanicus). In dieser trockenen Landschaft fühlte sich auch der Europäische Fransenfinger (Acanthodactylus erythrurus) sehr wohl. Er war immer wieder unter den trockenen Büschen zu finden. Wir entdeckten auch eine Besonderheit dieser Gegend, nämlich die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca). Diese Schildkröte kommt in Südspanien nur an zwei Stellen vor: eine davon liegt in der Coto de Donana und eine eben hier in Murcia. Das nächste Vorkommen liegt erst auf den Balearen. Wir fanden zwei erwachsene und zwei junge Tiere. Die Perleidechse (Timon lepidus) kommt hier in der Unterart nevadensis vor. Diese unterscheidet sich von der Nominatform durch eine bräunliche Körperfärbung mit weniger grün. An den Flanken entlang ziehen sich blaue Flecken.


Trotz der Trockenheit fanden wir ein sehr großes Exemplar des Iberischen Wasserfrosches (Rana perezi). Die Körperfarbe war auffällig hell. Von der Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) fanden wir ebenfalls ein erwachsenes Tier und ein Jungtier. Das Adulttier stand knapp vor der Häutung, die farblich unterschiedlichen Körperabschnitte waren kaum noch erkennbar, der ganze Körper war graubraun gefärbt. Eine Spanische Mauereidechse (Podarcis hispanicus) rundete unsere Fundliste in Murcia ab.


Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher in die Sierra d’Alhamilla. Dort in der Gegend um Tabernas liegt El Desierto, das einzige natürliche Wüstengebiet Europas. Die Landschaft ist den meisten Leuten aus einigen Italowestern bekannt, auch Teile des „Lawrence von Arabien“ wurden hier gedreht. Nachdem es die letzten Wochen viel geregnet hatte, sahen wir trotz der Wüste ungewöhnlich viel grün. Es war aber schon ziemlich spät und wir fanden an dieser Stelle nur noch einen jungen Halbfingergecko (Hemidactylus turcicus).

 

Sehenswerte Hässlichkeit: der Landstrich rund um Almeria, A1872-Almeria.JPG Kilometerweit ist das Land mit Plastik abgedeckt, um Obst und Gemüse anzubauen. Das Land ist biologisch tot., A1873-Almeria.jpg In dieser Steppe machten wir einige interessante Funde, A1876-Lorca.JPG Der Europäische Fransenfinger (Acanthodactylus erythrurus) fühlt sich in diesen trockenen, heißen Landschaften wohl., A1890-Acanthodactylus-erythrurus.JPG Die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) hat auf der iberischen Halbinsel nur zwei isolierte Vorkommen: eines in der Coto de Donana und eines hier in der Provinz Murcia., A1900-Testudo-graeca.JPG Landschildkröten können durchaus schnell werden, wenn es darum geht, dem Fotografen aus dem Bild zu laufen., A1910-Testudo-graeca.JPG
Die Horntuberkel an der Unterseite der hinteren Oberschenkel sind ein wichtiges Merkmal für die Bestimmung der Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca). Im untersuchten Gebiet war sie allerdings die einzige Art, daher gab es keine Bestimmungsprobleme., A1920-Testudo-graeca.JPG Spanischer Sandläufer (Psammodromus hispanicus), A1930-Psammodromus-hispanicus.JPG Das Verhältnis der Schwanzlänge zum Körper ist beim Spanischen Sandläufer (Psammodromus hispanicus) nicht so extrem wie beim Algerischen Sandläufer (Psammodromus algirus)., A1935-Psammodromus-hispanicus.JPG In diesem Areal kamen beide Sandläuferarten syntop vor- hier der Algerische Sandläufer (Psammodromus algirus)., A1940_Psammodromus-algirus.JPG Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) kurz vor der Häutung., A1950-Malpolon-monspessulanus.JPG Wir fanden zwei Jungtiere der Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca), A1960-Testudo-graeca.JPG
, A1970-Testudo-graeca.JPG Junge Eidechsennattern (Malpolon monspessulanus) haben eine andere Zeichnung als die erwachsenen Tiere., A1980-Malpolon-monspessulanus.JPG Die hervorstehenden überaugenschilder sind auch bei Jungtieren schon ausgebildet., A1990-Malpolon-monspessulanus.JPG Eine Perleidechse in der Unterart nevadensis (Timon lepidus nevadensis)., A2000-Timon-lepidus.JPG Die Grundfarbe ist bräunlich und nicht so leuchtend wie bei der Nominatform., A2010-Timon-lepidus.JPG Jungtier des Europäischen Halbfingergecko (Hemidactylus turcicus) mit Schwanzregenerat, A2020-Hemidactylus-turcicus.JPG
Ein sehr großes Exemplar des Iberischen Wasserfrosches (Rana perezi) , A2030-Rana-pererzi.JPG Die einzige Wüste Europas in der Sierra d’Alhamilla bei Tabernas. Wir kamen kurz nach starken Regenfällen hierher, daher doch einige „grüne Stellen“, A2035-Tabernas.JPG Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit fanden wir hier nur einen Europäischen Halbfingergecke (Hemidactylus turcicus)., A2040-Hemidactylus-turcicus.JPG

 

Samstag 19.4.2008 - Sierra de Cazorla

 

An unserem letzten Tag wollten wir uns auf die Suche nach der Spanischen Kieleidechse (Algyroides marchi) machen. Diese Eidechse lebt endemisch in der Sierra de Cazorla. Das Wetter war bisher nicht geeignet dafür gewesen, aber dies war der letzte Tag, wo wir die Ge­legenheit dazu hatten und so nahmen wir die fast 250 Kilometer Reise dafür in Kauf. Unser Zielgebiet um Baeza und Ubeda herum war fest in landwirtschaftlicher Hand. Auf den ersten Blick sah es nicht so schlecht aus: grüne Hügel, so weit das Auge reichte. Doch beim ge­naueren Hinsehen bemerkte man, dass jeder einzelne Baum ein Olivenbaum war, streng in Reih und Glied gepflanzt. Dazwischen lag nackte Erde. Dieses Gebiet war auf Quadrat­kilo­meter weit Agrarwüste.


Wir verließen diese trostlose Ebene und fuhren hinter dem kleinen Ort Cazorla in die Berge hinein. Die Bergland­schaft sah gleich viel besser aus. Sie liegt in einem Nationalpark und die Park-Ranger wissen um den Schatz, den sie hier haben und kontrollieren das Gebiet auch regelmäßig. Hierher kommen auch gerne die Einheimischen zum Picknick am Wochenende um noch einen Rest von Natur zu genießen. Der Quadalquivir hat hier sein Quellgebiet und wir wanderten eine enge Schlucht hinein, um nach den Eidechsen zu suchen. An der gegenüberliegenden Seite des Flusses beobachteten wir einen Iberiensteinbock (Capra pyrenaica). In den Steilwänden flogen Gänsegeier (Gyps fulvus) zu und wieder ab. Auch einen Wanderfalken (Falco peregrinus) konnten wir entdecken. Unter einem Stein fanden wir sogar eine Maurische Netzwühle (Blanus cinereus). Von unseren Kieleidechsen fehlte aber jede Spur. Das war nicht verwunderlich, denn es war kalt und zeitweise regnete es – also kein Reptilienwetter. Nach einer erfolglosen Suche fanden wir dann in einem Betonbecken noch einige interessante Arten. Der anpassungs­fähige Algerische Sandläufer (Psammodromus algirus) war auch hier anzutreffen. Das Highlight waren aber Südiberische Geburtshelferkröten (Alytes dickhilleni). Wir entdeckten männliche und weibliche Adulte und auch Jungtiere. Die Spanische Mauereidechse (Podarcis hispanicus) fanden wir hier in der Nominatform. Auch eine große Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) lag unter einem Stein.


Beim Weiterfahren wurden wir von zwei Rotfüchsen (Vulpes vulpes) verfolgt, die keinerlei Scheu vor unserem Fahrzeug zeigten und bis an die Wagentür herankamen. Vielleicht waren sie es gewohnt, von den Touristen hier gefüttert zu werden, aber vielleicht waren sie auch krank. Das Risiko einer Tollwutinfektion wollten wir natürlich nicht eingehen und so blieben Türen und Fenster verschlossen und wir verließen diesen Ort so schnell wie möglich.


An einer weiteren Stelle versuchten wir noch unser Glück, fanden aber nur ein Jungtier der Perleidechse (Timon lepidus). Der einsetzende Regen und die Kälte zwangen uns schließlich, unsere Suche nach der Kieleidechse aufzugeben. Wir machten uns auf den Heimweg. In einem Restaurant in Salobreña ließen wir unsere Exkursion bei einem guten Abendessen ausklingen.

 

Landschaft bei Cazorla. Hier wachsen kilometerweit nur mehr livenbäume., A2070-Oliven.JPG Im Quellgebiet des Quadalquivir., A2090-Quadalquivir-Quelle.JPG Der Algerische Sandläufer (Psammodromus algirus) ist äußerst anpassungsfähig. Wir fanden ihn in den Sanddünen an der Küste genauso wie hier in der Sierra de Cazorla., A2120-Psammodromus-algirus.JPG Noch ein Highlight unserer Exkursion: eine Südiberische Geburtshelferkröte (Alystes dickhilleni)., A2130-Alytes-dickhilleni.JPG Die Männchen der Geburtshelferkröten wickeln sich die Ei-Schnüre um die Hinterbeine und bringen die Eier an Stellen mit geeigneter Temperatur und Feuchtigkeit., A2140-Alytes-dickhilleni.JPG Erst zum Schlüpfen werden die Larven in seichte Gewässer gebracht. So werden die überlebenschancen der Eier deutlich erhöht., A2145-Alytes-dickhilleni.jpg
Eine Spanische Mauereidechse (Podarcis hispanicus), A2160-Podarcis-hispanicus.JPG Diese Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) kooperierte ausnahmsweise mit den Fotografen – es war sehr kalt., A2190-Malpolon-monspessulanus.JPG Vielleicht waren die beiden Rotfüchse (Vulpes vulpes) nur auf ein paar Wurstreste aus., A2220-Fuchs.JPG Da wir aber keine Tollwutinfektion riskieren wollten, blieben Türen und Fenster unseres Autos fest verschlossen., A2230-Fuchs.JPG Eine junge Perleidechse (Timon lepidus)., A2240-Timon-lepidus.JPG Abschied von Andalusien, A2260-Rueckflug.JPG

 

 

Zusammenfassung

 

Wenn man ganz Andalusien bereisen will, sollte man keinesfalls die großen Entfernungen unterschätzen, die man zwischen den einzelnen Regionen zurücklegen muss: die Region ist ungefähr so groß wie ganz Österreich. Die langen Fahrtzeiten sollte man jedenfalls einkalkulieren, speziell wenn man morgens schon an einem bestimmten Punkt suchen möchte.


Auf unserer Reise mussten wir leider feststellen, dass große Teile Andalusiens von intensivster Landwirtschaft geprägt sind. Zwischen den großflächigen Plantagen und Feldern waren selten geeignete Habitate zu finden. Durch den intensiven Einsatz von Spritzmitteln ist es kaum möglich, dass sich hier eine artenreiche Fauna erhält bzw. wieder aufbaut. Glücklicherweise gibt es dazwischen kleine Inseln, wo die Landschaft nicht so intensiv genutzt wird. Es handelt sich oft um Kleinflächen wie verfallene Gehöfte, wo sich noch Reste einer natürlichen Fauna und Flora halten können. Entlang der Bäche und Flüsse findet man auch noch größere brauchbare Habitate.


Besser sieht es in den Natur- und Nationalparks Andalusiens aus. Hier wurden sehr schöne Landschaften in naturnahem Zustand erhalten. Die Gefahr ist, dass durch die Isolierung der Parks die Wanderung der Tiere zwischen diesen Naturoasen stark erschwert wird. In den Naturparks fanden wir einige sehr schöne Habitate, wo auch seltenere Arten noch anzutreffen sind.


Mit dem Wetter hatten wir einerseits Pech, weil es an einigen Tagen einfach zu kalt und regnerisch war, um erfolgreich nach Reptilien und auch Amphibien zu suchen. Andererseits konnten wir in dieser Übergangszeit zum Frühling sowohl Arten beobachten, die kühleres, feuchtes Wetter bevorzugen, als auch solche, die Wärme und Sonne lieben. Unsere Fundliste wurde dadurch ziemlich abwechslungsreich und enthielt einige Highlights.

 

Auf unserer Exkursion fanden wir die folgenden Arten:

 

Salamandra salamandra Feuersalamander
Pleurodeles waltl Spanischer Rippenmolch
Triturus boscai Spanischer Wassermolch
Triturus pygmaeus Zwerg-Marmormolch
Alytes dickhilleni Südiberische Geburtshelferkröte
Discoglossus galganoi Iberischer Scheibenzüngler
Pelobates cultripes Messerfuß (D.O.R.)
Pelodytes ibericus Iberischer Schlammtaucher
Bufo bufo Erdkröte
Bufo calamita Kreuzkröte
Hyla meridionalis Mittelmeerlaubfrosch
Rana perezi Iberischer Wasserfrosch
Mauremys leprosa Maurische Bachschildkröte
Testudo graeca Maurische Landschildkröte
Blanus cinereus Maurische Netzwühle
Chamaeleo chamaeleon Europäisches Chamäleon
Chalcides bedriagai Iberischer Walzenskink
Chalcides striatus Westliche Erzschleiche
Hemidactylus turcicus Europäischer Halbfingergecko
Tarentola mauritanica Mauergecko
Acanthodactylus erythrurus Europäischer Fransenfinger
Timon lepidus Perleidechse
Podarcis hispanicus Spanische Mauereidechse
Podarcis vaucheri Südiberische Mauereidechse
Psammodromus algirus Algerischer Sandläufer
Psammodromus hispanicus Spanischer Sandläufer
Hemorrhois hippocrepis Hufeisennatter
Elaphe scalaris Treppennatter
Malpolon monspessulanus Eidechsennatter
Macroprotodon brevis Kapuzennatter
Natrix maura Vipernatter
Vipera latastei Stülpnasenotter

 

 

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