Herpetologische Exkursion durch Andalusien: 9. bis 20. April 2008

ein Bericht von Richard Kopeczky

 

 

 

Mittwoch 9.4.2008 - Anreise

 

Im April 2008 unternahmen wir eine 12-tägige Exkursion nach Andalusien. Mit dabei waren Thomas Bader, Michael Duda, Johannes Hill, Marlene Kirchner, Richard Kopeczky, Gerald Ochsenhofer, Franz Rathbauer, Christoph Riegler, Yvonne Schneemann und Wolfgang Simlinger. Wir hatten gehofft, dem kalten Wetter in Österreich entgehen zu können, aber bei unserer Ankunft in Malaga war es im „sonnigen Süden“ ziemlich kühl und regnerisch. Auf dem Flughafen trafen wir uns mit Matt Wilson, einem Studenten, der zurzeit in der Provinz Murcia studierte und der mit uns die nächsten eineinhalb Wochen durch Andalusien streifte. Nachdem wir unsere Mietautos übernommen hatten, machten wir uns auf den Weg nach Arcos de la Frontera, wo wir die ersten fünf Tage Quartier bezogen.

 

Schon unterwegs stellten wir fest, dass es in den letzten Tagen ausgiebig geregnet hatte – viele Felder standen komplett unter Wasser, bei einigen Olivenplantagen ragten nur mehr die Baumwipfel aus dem Wasser. Auch die Zufahrt zu unserem Quartier war überschwemmt und die Vermieterin brachte uns auf einer Umfahrung zu unserem Domizil. An den Wänden des Restaurants, wo wir zu Abend aßen, fanden wir bereits unsere erste Reptilienart – den Mauergecko (Tarentola mauritanica). Nach dem Essen gingen wir noch auf eine Nachtexkursion zu einem Teich am Rande der Stadt. Wir hörten jede Menge Mittelmeerlaubfrösche (Hyla meridionalis) und Iberische Wasserfrösche (Rana perezi) rufen, bekamen aber leider keinen einzigen zu Gesicht.

 

Das Team (v.l.n.r.): Yvonne Schneemann, Hannes Hill, Marlene Kirchner, Franz Rathbauer, Matt Wilson, Richard Kopeczky, Gerald Ochsenhofer, Michael Duda, Christoph Riegler, Thomas Bader, Wolfgang Simlinger, A0010-Team.jpg Flug über die verschneiten Alpen, A0015-Alpen_im_Schnee.JPG Ankunft im Olvera - eine der sogenannten Arcos de la Frontera war unser Stützpunkt während der ersten Hälfte der Exkursion, A0030-Arcos_de_la_Frontera.jpg Erste herpetologische Funde: ein Mauergecko (Tarentola mauritanica) an der Außenwand des Restaurants., A0040-Tarentola_mauritanica.jpg

 

Donnerstag 10.4.2008 - Sierra Morena, Huelva

 

Um sieben Uhr früh brachen wir auf. Da Spanien dieselbe Ortszeit hat wie Österreich, aber doch um einiges westlicher liegt, war es um diese Zeit noch stockdunkel. Erst unterwegs auf der Autobahn wurde es langsam hell. Auch hier waren viele Felder großflächig überschwemmt. Die Landschaft ist von der Landwirtschaft geprägt. Wir durchfuhren endlose Felder mit blanker Erde und weitläufige Olivenplantagen. Es gibt kaum naturbelassene Flecken, auch zwischen den Feldern findet man keine Büsche oder Bäume. Die Flächen neben den Straßen sind fast immer eingezäunt. Wir mussten uns schnell daran gewöhnen, dass wir auch an kleinen Straßen meistens über Zäune klettern mussten, wenn wir zu unseren Suchgebieten kommen wollten.


Bei einem kurzen Zwischenstopp am Südrand der Sierra Morena fanden wir eine Maurische Netzwühle (Blanus cinereus). Diese urtümlichen Reptilien, die in Aussehen und Lebensweise an Regenwürmer erinnern, zählen zu den Doppelschleichen (Amphisbaenidae) und bilden derzeit eine eigene Unterklasse der Schuppenkriechtiere (Squamata), ihr Stand in der Systematik wird aber diskutiert. Sie haben zurückgebildete Augen, die nur ein hell-dunkel Sehen ermöglichen - eine Anpassung an Ihre unterirdische Lebensweise. Sie ernähren sich von Insektenlarven und niederen Insekten. Die Maurische Netzwühle konnten wir fast im ganzen Areal unserer Exkursion finden, solange der Boden einigermaßen grabbar war.


Dann ging es weiter in die Sierra Morena. In den Bergen ist die Landschaft noch etwas natürlicher als die intensiv genutzten Flächen der Ebenen. Ein Hirte auf seinem Maultier, der hier gemeinsam mit seinen Hunden eine Schafherde bewachte, betrachtete uns verwundert, als wir an ihm vorbei die Schotterpiste hochfuhren. Das Gelände ist hier flächendeckend mit Büschen der Cistrose bedeckt, dazwischen stehen vereinzelte Eichen und Föhren. Wir fanden hier den Europäischen Halbfingergecko (Hemidactylus turcicus), der in der Kälte noch ziemlich unbeweglich war. Weiters entdeckten wir noch eine junge Vipernatter (Natrix maura), den Algerischen Sandläufer (Psammodromus algirus) und eine Kreuzkröte (Bufo calamita). In einem kleinen Bach schwamm ein Spanischer Wassermolch (Triturus boscai). Weiters fanden wir hier noch die Maurische Netzwühle (Blanus cinereus), den Mauergecko (Tarentola mauritanica), den Iberischen Wasserfrosch (Rana perezi) und eine Kapuzennatter (Macroprotodon brevis). Das Gebiet war an sich vielversprechend und wir wollten hier Feuersalamander (Salamandra salamandra) suchen, aber dann zwang uns der einsetzende heftige Regen zum Rückzug. Es war kalt und nass und wir fuhren ein Stück Richtung Süden, wo wir uns in einer Tapas-Bar stärkten und unsere Ausrüstung trockneten.


Danach fuhren wir Richtung Küste. Bei Portil erreichten wir den Atlantik und machten uns am ausgedehnten Sandstrand zwischen den Sträuchern auf die Suche. Einige Algerische Sandläufer (Psammodromus algirus) und Europäische Fransenfinger (Acanthodactylus erythrurus) flitzten unter den Büschen umher. Auffallend an Psammodromus algirus ist der extrem lange Schwanz, der etwa 2,5- bis 3-mal so lang ist wie die Kopf-Rumpf-Länge.


Eine große Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) entwischte uns im dichten Gebüsch. Doch wir fanden ein schönes Exemplar des Europäischen Chamäleons (Chamaeleo chamaeleon). Gemächlich bewegte es sich durch die Büsche.


Danach machten wir noch einen Abstecher nach El Acebuche in der Coto de Donana. Von einem Beobachtungsstand aus konnten wir einige Vertreter der dortigen Vogelwelt betrachten, unter anderem Weißstörche (Ciconia ciconia), Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) und Purpurreiher (Ardea purpurea). Es war aber inzwischen zu spät für eine herpetologische Suche und so begnügten wir uns mit der Beobachtung einer kleinen Vipernatter (Natrix maura) in einem Steinbecken beim Nationalparkgebäude.

 

Ein europäischer Halfingergecko (Hemidactylus turcicus), A0050-Hemidactylus-turcicus.JPG Mit seiner fleckigen Zeichnung ist der Gecko gut getarnt., A0075-Hemidactylus-turcicus.JPG Verregnete Landschaft in der Sierra Morena, A0085-Sierra-Morena.JPG Trotzdem fanden wir hier etliche Arten. Hier der Algerische Sandläufer (Psammodromus algirus)., A0090-Psammodromus-algirus.JPG Der Mauergecko (Tarentola mauritanica) ist mit seiner Körperfärbung gut an den Untergrund angepasst., A0095-Tarentola-mauritanica.JPG Die Kreuzkröte (Bufo calamita) fühlte sich bei dem feuchten Wetter offenbar ganz wohl., A0100-Bufo-calamita.JPG
Auch der Spanische Wassermolch (Triturus boscai) ist in der Sierra Morena zu Hause., A0110-Triturus-boscai.JPG Heftiger Regen zwang uns zum vorübergehenden Abbruch der Suche., A0120-Regen.JPG Die Atlantik-Küste in der Provinz Huelva., A0140-Huelva-Kueste.JPG Algerischer Sandläufer (Psammodromus algirus). Gut zu erkennen ist der extrem lange Schwanz. Die Schwanzlänge kann bei P. algirus bis zum 3-fachen der Kopf-Rumpf-Länge betragen., A0200-Psammodromus-algirus.JPG Die Büsche der Küstenregion sind auch Heimat des Europäischen Chamäleons (Chamaeleo chamaeleon)., A0210-Chamaeleo-chamaeleon.JPG Mit ihren zu Greifzangen umgebildeten Fingern und den langen Krallen sind Chamaeleons ausgezeichnete Kletterer., A0240-Chamaeleo-chamaeleon.JPG
Der Nationalpark Coto de Doñana in der Nähe der Quadalquivir-Mündung ist sowohl ein wichtiges Brut- als auch Durchzugsgebiet für die Vogelwelt., A0250-Coto-de-Donana.JPG Purpurreiher (Ardea purpurea) in der Coto de Doñana, A0255-Ardea-purpurea.JPG

 

Freitag 11.4.2008 - Los Alcornocales

 

Wir begannen den Tag mit der Besichtigung eines beweideten Hanges in der Nähe von El Bosque. Trotz intensiver Suche stießen wir hier aber nur auf wenige Tiere, unter anderem den Algerischen Sandläufer (Psammodromus algirus). Auffällig waren dafür einige sehr große Spinnen, die hier unter den Steinen lebten. Es handelte sich um Macrothele calpeiana, die zur Familie der Trichternetzvogelspinnen zählt und nur hier in Andalusien vorkommt. Bei der Rückkehr zu unseren Fahrzeugen fanden wir in der Vegetation eines Bachufers noch eine Maurische Bachschildkröte (Mauremys leprosa). Wir fuhren weiter in die Berge hinein. Hier fanden wir trotz des kühlen Wetters die Südiberische Mauereidechse (Podarcis vaucheri), den Algerischen Sandläufer (Psammodromus algirus) und ein Jungtier der Perleidechse (Timon lepidus).


Danach führte unser Weg durch das Dorf Grazalema, wo sich das niederschlagsreichste Gebiet der iberischen Halbinsel befindet. Hier fallen jährlich über 2.000 mm Niederschlag – zum Vergleich: Wien kommt auf etwa 600 mm. Die Bewohner fangen diesen Regen in einem großen Speicherbecken und betreiben damit ein Kraftwerk, mit dem sie ihren Elektrizitätsbedarf decken können.


Kurz nach Grazalema untersuchten wir eine Wiese, auf der einige sehr schöne Orchideen vorkamen. Die gelbe Ragwurz (Ophrys lutea) stach immer wieder zwischen den Grashalmen hervor. Auch herpetologisch hatte diese Wiese einiges zu bieten. Hier entdeckten wir den Algerischen und den Spanischen Sandläufer (Psammodromus algirus und Psammodromus hispanicus). Unter einem Stein ruhte eine Kapuzennatter (Macroprotodon brevis). Außerdem fanden wir noch eine Kreuzkröte (Bufo calamita) und eine Maurische Netzwühle (Blanus cinereus). Während wir suchten, zog eine Schar Gänsegeier (Gyps fulvus) über uns hinweg. Es war beeindruckend, wie diese großen Vögel mit ruhigem Flügelschlag knapp an uns vorbeiflogen.


An der Straße nach Ronda machten wir bei einem Bach Halt. Das Gelände war gut strukturiert, direkt am Ufer wuchsen hohe Bäume. Dahinter lagen kleine Wiesen, die durch Beweidung offen gehalten wurden, mit Büschen dazwischen. Es gab auch einige Legesteinmauern, die den Tieren Unterschlupf bieten konnten. Wir fanden hier eine Vipernatter (Natrix maura), die Maurische Netzwühle (Blanus cinereus) und einen Algerischen Sandläufer (Psammodromus algirus), diesmal nicht mit der üblichen Streifenzeichnung sondern in einer hellen Bronzefärbung, die im Sonnenlicht metallisch glänzte. Im Wasser saßen Iberische Wasserfrösche (Rana perezi). Wir entdeckten auch noch eine Kreuzkröte (Bufo calamita) und eine Kapuzennatter (Macroprotodon brevis). Diese Schlange ist mit dem keilförmigen Kopf gut in der Lage, sich unter Steine hineinzugraben, wo sie hauptsächlich nach Netzwühlen (Blanus cinereus) jagt. Im Gras fanden wir auch die Westliche Erzschleiche (Chalcides striatus).

 

Weidefläche bei El Bosque, A0290-Weide-El-Bosque.JPG Eine in Andalusien endemische Trichternetzvogelspinne (Macrothele calpeiana), A0300-Macrothele-calpeiana.JPG M. calpeiana in Drohstellung. Gut zu erkennen sind die Giftklauen (Cheliceren) unter dem Kopf., A0310-Macrothele-calpeiana.jpg Maurische Bachschildkröte (Mauremys leprosa), A0320-Mauremys-leprosa.JPG Algerischer Sandkäufer (Psammodromus algirus), A0325-Psammodromus-algirus.JPG Ein Jungtier der Perleidechse (Timon lepidus), A0330-Timon-lepidus.JPG
, A0340-Timon-lepidus.JPG Männchen von Podarcis vaucheri. Die Systematik der iberischen Mauereidechsen ist noch nicht endgültig geklärt. P. vaucheri wurde aber als eigene Art von P. hispanicus abgetrennt., A0350-Podarcis-vaucheri.JPG Weibchen der Südiberischen Mauereidechse (Podarcis vaucheri)., A0360-Podarcis-vaucheri.JPG Grazalema ist der Ort mit der höchsten Niederschlagsmenge auf der iberischen Halbinsel. Hier fallen über 2.000 mm pro Jahr., A0390-Grazalema.JPG Die Kapuzennatter (Macroprotodon brevis) zählt zu den Trugnattern. Sie besitzt Giftzähne, die weit hinten im Maul stehen. Sie ist für Menschen aber ungefährlich, A0400-Macroprotodon-brevis.JPG Ihren Namen hat die Kapuzennatter (Macroprotodon brevis) von der dunklen Zeichnung knapp hinter dem Kopf., A0410-Macroprotodon-brevis.JPG
Kreuzkröte (Bufo calamita), A0420-Bufo-calamita.JPG Der Gänsegeier (Gyps fulvus) zählt zu den häufigeren Greifvögeln Andalusiens, A0433-Gyps-fulvus.JPG Alte Steinbrücke (Pons antiquus) in einem sehr ergiebigen Habitat., A0440-Bruecke.JPG Algerischer Sandläufer (Psammodromus algirus), diesmal mit bronzener Färbung., A0450-Psammodromus-algirus.JPG Die Maurische Netzwühle (Blanus cinereus) zählt zu den Doppelschleichen (Amphisbaenia), deren systematischer Status sich noch in Klärung befindet., A0460-Blanus-cinereus.JPG Netzwühlen leben in unterirdischen Gängen, wo sie sich hauptsächlich von Insektenlarven und -imagines ernähren., A0475-Blanus-cinereus.JPG
Jungtier der Vipernatter (Natrix maura), einer ungiftigen Wassernatter., A0490-Natrix-maura.JPG Kreuzkröten (Bufo calamita) bewegen sich nicht springend fort, sondern laufend. Hier macht sie sich auf, das Bildfeld zu verlassen., A0495-Bufo-calamita.JPG Die mittelalterliche Stadt Ronda auf einem Wandmosaik. Mitten durch die Stadt führt eine 80m tiefe Schlucht., A0500-Ronda.JPG Die Brücke in Ronda., A0510-Ronda-Bruecke.JPG Mit dem keilförmigen Kopf kann sich die Kapuzennatter (Macroprotodon brevis) gut unter Steine hineingraben, um ihrer Hauptnahrung, den Netzwühlen, nachzustellen., A0540-Macroprotodon-brevis.JPG Der Gänsegeier (Gyps fulvus) zählt mit Flügelspannweiten bis 2,70m zu den größten Greifvögeln Andalusiens., A0550-Gyps-fulvus.JPG

 

 

Teil 2: Die Atlantikküste bei Barbate/ Sierra Morena/ Los Alcornocales, Tarifa

 

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